Der Tagebau am Kahlenberg - 1937 bis 1968


Die erste Tagebau-Grube wurde 1937 beim Gewann Steingrüble eröffnet. Ungefähr an dieser Stelle befindet sich heute die Waage des Zweckverbandes Abfallbehandlung Kahlenberg (ZAK).

Die Grube zog sich als schmaler Graben am Westhang des Kahlenbergs entlang. Von dort aus wurde der Abbau weiter nach Osten fortgesetzt. In den ersten Jahren wurde das Eisenerz auf Lastkraftwagen verladen und zum Bahnhof nach Herbolzheim gebracht. Auf der Schiene wurde es dann in das Ruhrgebiet verfrachtet und dort weiter verarbeitet. Im Jahr 1938 begannen die Bauarbeiten für die Seilbahn und den Seilbahnbunker. Als das Bauwerk fertiggestellt war, überquerte das Eisenerz in Hängeloren auf dem Luftweg die Bundesstraße bis zur Rheintalstrecke der Reichsbahn. Ursprünglich war geplant, die Seilbahnstrecke bis zum Rhein bei Niederhausen weiterzuführen. Zu diesem Ausbau kam es wegen des Kriegsbeginns nicht mehr.

An der Rheintalstrecke entstanden die Brechanlage und die Siebanlage, die das Erz in drei Kornklassen trennte. Für jede Kornklasse wurde ein eigener Verladebunker gebaut. Von einem eigens geschaffenen Bahnanschluss aus transportierten Güterzüge einen großen Teil des Eisenerzes in das rund 500 Kilometer entfernte Ruhrgebiet. Weiteres Erz wurde in späteren Jahren auch zum Rheinhafen nach Kehl verfrachtet und von dort zu den Hütten mit Hafenanschluss verschifft. Ein geplanter eigener Rheinhafenbau in Kappel scheiterte 1960 am Widerstand der Kappel-Grafenhausener Bevölkerung. Das Erz wurde durch Sprengungen gewonnen. Dazu trieben Arbeiter mit Bohrhämmern Sprengbohrlöcher in den Boden: die Sohl- und Mittellöcher verliefen horizontal, die Kopflöcher senkrecht. Im Tagebau Mitte wurde das Erz mit Löffelbaggern in Loren verladen. Im Tagebau Süd schütteten Bagger das Erz auf einen Rost und ein Transportband beförderte es zum Seilbahnbunker. Zu große Erzbrocken mussten die Arbeiter davor mit Bohrhämmern zerkleinern. Über dem Eisenerz liegen am Kahlenberg oft meterdicke Schichten von Mergel, Tonen und Kalksandstein. Um im Tagebau das Erz zu erreichen, musste man diese Schichten abräumen. Der Abraum wurde zuerst am Westhang des Kahlenbergs und im Limbachtal aufgeschüttet. Später konnte das Gestein in den Teil der Grube zurückgebracht werden, deren Erzinhalt bereits gewonnen worden war. Züge mit Dampf- und Dieselloks transportierten den Abraum. Löffelbagger beluden die Loren, die keine automatische Kippvorrichtung hatten, sondern von Hand geleert werden mussten. Dazu waren fünf Männer notwendig, die mit Muskelkraft und einer starken Rundholzstange als Hebel die Loren auskippten. Anschließend verteilte ein Kippenpflug den Abraum.

Der Tagebau Rötelberg - 1952 bis 1962

Der Abbau des Erzlagers am Rötelberg begann 1952. Eine Grubenbahn mit zehn Loren, die jeweils knapp zwei Kubikmeter Erz fassten, beförderte den Rohstoff über die eineinhalb Kilometer lange Strecke zum Seilbahnbunker. Den Abraum kippte man in das nahe gelegene Limbachtal. Bei den Sprengungen am Rötelberg lag die Bundesstraße B3 im durch Steinschlag gefährdeten Bereich. Sie wurde deshalb vor jeder Sprengung gesperrt. Um die Fördermenge zu steigern und die Kosten zu senken, stellte die BARBARA-ERZBERGBAU AG ab 1955 den Abbau auf gleislosen Betrieb um. Eine Straße führte nun am Hang des Kahlenbergs entlang bis zur Seilbahnstation.

Anfangs war sie noch ungeteert und musste mit einer Planierraupe täglich instand gehalten werden. Auf der Straße wurde Linksverkehr eingeführt, um zu verhindern, dass sie unter dem Gewicht der schwer beladenen Lastkraftwagen nachgab und die Fahrzeuge den Hang herabstürzten. 1958 entstand auch die Brücke über die Bundesstraße B3. Das Erz musste nun nicht mehr auf die Seilbahn umgeladen werden, sondern konnte direkt von der Grube an die Brech- und Siebanlage gebracht werden. Die Seilbahn wurde danach demontiert. Als die Betreiberin der Grube eine Schürfkübelraupe (Hersteller MENCK) anschaffte, konnte auch der Abraum gleislos abgetragen werden. Die Raupe arbeitete vorwärts und rückwärts ohne zu wenden, ihr Ladekübel nahm über sechs Kubikmeter Material auf. Sie war jedoch nur für den aus Löss bestehenden Teil des Abraumes geeignet. Zusätzlich waren fünf Autoschütter (Hersteller ZETTELMEYER) im Einsatz, die jeweils vier Kubikmeter Abraum laden konnten. Der Fahrer konnte sich auf seinem Sitz um 180 Grad um die Lenksäule drehen und brauchte das Fahrzeug deshalb nicht zu wenden. Weil keine Fahrerkabine vorhanden war, war er Wind und Wetter ausgesetzt. Eigens für den Einsatz am Kahlenberg entwickelte der Arbeitsmaschinenhersteller FAUN Muldenkipper, die zehn und später sogar 20 Tonnen Erz oder Abraum laden konnten. Die Muldenkipper erlaubten es, die Fördermenge weiter zu steigern. Zwei auf Raupen montierte pressluftbetriebene Großlochbohrmaschinen (Hersteller HAUSHERR, Typ DK9) ersetzten die aufwändige Bohrarbeit von Hand. Die Vielzahl an Sohl-, Mittel- und Kopflöchern, die zuvor für die Sprengungen angelegt werden mussten, war nun nicht mehr nötig. Die neuen Bohrmaschinen konnten das gesamte Erzlager von oben her durchbohren. Ab dem Jahr 1966 wurde der Personalaufwand dabei noch weiter vermindert. Die elektrohydraulische Großlochbohrmaschine (Hersteller HAUSHERR) konnte ein Mann allein bedienen.

Der Verbrauch an Sprengstoff durch die Schießarbeit im Erz und in den Sandkalken war enorm. Daher suchte man auch hier nach Einsparmöglichkeiten. Es wurden verschiedene Versuche mit selbst hergestelltem Sprengstoff gemacht. Im Mundloch von Stollen I wurde der Sprengstoff anfangs noch mit einer Mörtelmaschine gemischt, später mit einem schwedischen Druckluftmischgerät.