Der Tiefbau


Zeitgleich mit dem Tagebau am Kahlenberg begann man auch mehrere Tiefbaureviere zu untersuchen: Stollen I wurde in der Nähe der Tagebau-Grube Kahlenberg eröffnet und durchzog den ganzen Kahlenberg auf 800 Metern Länge bis östlich des Kahlenbergwalds. Aus diesem Stollen förderten die Bergleute mit Unterbrechungen bis 1958 Eisenerz. Stollen II wurde gebraucht, um das Erzlager am Rötelberg untersuchen zu können. Später konnte dieses Erz im Tagebau gewonnen werden. Stollen III entstand südlich von Herbolzheim beim Felsenkeller. Nach einer Stollenlänge von 370 Metern stießen die Bergleute allerdings auf einen Tuffschlot, einen Ausläufer des ehemaligen Kaiserstuhlvulkanismus. Weil das Gestein hier zu stark zerklüftet war, konnten sie den Stollen nicht mehr weiter vortreiben. Stollen IV befand sich zwischen Ringsheim und Herbolzheim. In diesem Revier arbeiteten die Bergleute von 1938 bis 1954. Südlich von Kenzingen erstreckte sich Stollen V ca. 100 Meter weit in den Niederberg. Das Erz erwies sich hier nicht als abbauwürdig. Der modernste Untertagebetrieb am Kahlenberg war der östlich von Herbolzheim eingerichtete gleichnamige Stollen. Zwischen 1958 und 1964 fuhren dort Bergleute ein.

Danach dienten die Kammern des Stollens Herbolzheim als Lagerplatz für Splitt und Feinerz, bis die Grube Kahlenberg stillgelegt wurde. Ein weiterer kleiner Stollen entstand in der Nord-Ost-Ecke des Limbachtals. Von hier aus wurde das Eisenerzlager des Heubergs untersucht. Zu einem Abbau dieses Lagers kam es jedoch nicht. Weil das Erzlager am Kahlenberg stark zerklüftet war, musste zuerst ein geeignetes Abbauverfahren entwickelt werden. Die über dem Rohstoff liegenden Mergel waren nicht standfest. Um zu verhindern, dass sie in den Stollen einbrachen, musste die oberste Schicht des etwa elf Meter starken Erzlagers stehen bleiben. Dazu wurden drei Abbauverfahren entwickelt: der scheibenmäßige Pfeilerrückbau, der "vom Liegenden ausgehende Kammerbau" und der "vom Hangenden ausgehende Kammerbau". Beim Pfeilerrückbau wurde das Erzlager in horizontale Scheiben unterteilt. Eine dieser Scheiben war etwa 2,30 Meter hoch. Dies entspricht ungefähr der Höhe, in der ein Bergmann den Bohrer ohne Gerüst ansetzen kann.

Der Pfeilerrückbau war wegen der hohen Abbauverluste unwirtschaftlich und wurde bald aufgegeben. Anschließend gingen die Bergmänner zu dem sogenannten "vom Liegenden" (dem Stollensohle) ausgehenden Kammerbau über. Zuerst trieben sie dazu mit Pressluftbohrern und Sprengungen im unteren Teil des Erzlagers bis zu 60 Meter lange Tunnelstrecken vor. Danach brachen sie das Erz bis zum "Hangenden" - der Kammerdecke - hoch heraus und erweiterten den Tunnel zur Kammer. Die so entstandenen Kammern waren ungefähr 60 Meter lang, sieben Meter breit und acht Meter hoch. Der Abstand zwischen den einzelnen Kammern betrug rund sieben Meter. Der oberste Meter des Erzes musste aus Sicherheitsgründen als Dach stehen bleiben. Die Stärke dieser Decke ermittelten die Bergleute, indem sie mit dem Pressluftbohrer nach oben bohrten, bis Mergel aus dem Bohrloch rieselte. Danach markierten sie die Bohrstange mit einem Kreidestrich und maßen so die Stärke des verbliebenen Erzdaches aus. Das Erz aus der Kammer luden sie von Hand auf eine Schüttelrutsche. Auf Förderbändern gelangte der Rohstoff weiter zum Stollenmundloch. Im Stollen IV wurde das Erz auf Loren verladen und von Elektroloks direkt zur Brech- und Siebanlage gezogen.

Diese Abbaumethode erwies sich jedoch als sehr unfallträchtig. Deshalb gingen die Bergleute später zum "vom Hangenden" ausgehenden Kammerbau über. Sie trieben zuerst einen Stollen im oberen Teil des Erzlagers vor und erweiterten ihn dann nach unten zur Kammer. Bei diesem Verfahren konnten sie die Firste besser sichern: im Abstand von jeweils einem Meter befestigten sie Seilkappen unter der Decke, die eine Last von 30 bis 40 Tonnen aufnehmen konnten. Maschinen, so genannte Schrapper, förderten nun das Erz aus den Kammern. Die Bergleute mussten sich daher nicht mehr lange in den Kammern aufhalten. Der Lärm der pressluftgetriebenen Arbeitsgeräte, der Staub und die ständige Gefahr durch herabbrechendes Gestein machten die Arbeit im Bergwerk beschwerlich und riskant. Trotz der besseren Bezahlung wollten die Bergmänner deshalb selten länger als vier bis fünf Jahre unter Tage arbeiten.

War ein Stollenfeld vollständig abgebaut, wurden die Pfeiler zu Bruch geschossen und die Kammern brachen ein. Die Decken über den entstandenen Hohlräumen senkten sich allerdings nicht so gleichmäßig ab, wie die Bergwerksbetreiberin es erwartet hatte. An der Oberfläche entstand ein Bruchgebiet über den abgebauten Stollen. Der 1900 an der höchsten Stelle des Kahlenbergs (309 Meter ü. M.) erbaute Aussichtsturm war nicht mehr standfest und musste abgebaut werden. Der Schwarzwaldverein errichtete einen neuen Turm auf dem nicht vom Bergbau betroffenen Heuberg (282 Meter). Mit dem modernsten Verfahren bauten die Bergleute das Erz im Stollen Herbolzheim ab: Bohrwagen (Her-steller SACOMA) trieben den Stollen voran. Schaufellader (Hersteller MICHIGAN) verluden das Erz auf Lastkraftwagen, die es über die auf der alten Grubenbahntrasse angelegten Fahrstraße zur Brech- und Siebanlage transportierten. Die Firste der Stollen und Kammern wurden jetzt mit eigens entwickelten Ankern gesichert, was die Unfallgefahr beträchtlich verringerte. Eine Betonschicht festigte die Sohle des Stollens.