Das Eisenerz des Kahlenbergs - Zeugnis eines urzeitlichen Meeres


Als die Gesteinsschichten des heutigen Kahlenbergs entstanden, beherrschten die Dinosaurier das Leben an Land und die Flugsaurier die Lüfte. Meereskrokodile und Fischsaurier durchstreiften die Meere. Das Eisenerz und die anderen Gesteinsschichten des Braunen Jura lagerten sich im Dogger ab. Diese Epoche des Erdmittelalters begann vor rund 175 Millionen Jahren. Süddeutschland war wie weite Teile Europas damals von einem flachen Meer bedeckt. Es wurde von Lebewesen bevölkert, die schon vor Jahrmillionen ausstarben. Ihre versteinerten Überreste werden Fossilien genannt.

Die Gebirgszüge des Schwarzwaldes und der Vogesen hatten sich in der Jura-Zeit noch nicht erhoben. Das im Meerwasser gelöste Eisen, aus dem sich später das Eisenerz bildete, stammt wahrscheinlich aus dem Gestein des Ardennischen Festlands. Durch chemische Vorgänge im Wasser bildeten sich daraus eisenhaltige Ausfällungen, die auf den Meeresboden sanken und sich dort ablagerten. In dieser Zeit herrschte im Gebiet des heutigen Kahlenbergs eine starke Meeresströmung aus südwestlicher Richtung vor. Dies zeigen die wellenförmigen Rippelmarken des damals entstandenen Meeresbodens und die durch Rollbewegungen charakteristisch abgenutzten versteinerten Überreste der Meeresbewohner dieses Zeitalters.

Als durch Bewegungen der Erdkruste Millionen von Jahren später im Tertiär der Oberrheingraben einbrach, zerfiel das im Jura entstandene Erzlager in mehrere Schollen. Ein Teil der Erzschollen versank tief unter der Rheinebene: Beim Bahnhof in Ringsheim liegt das Erzlager schon 200 Meter unter der Erdoberfläche, im nahe gelegenen Weisweil konnte es bei Tiefbohrungen in 500 Metern Tiefe nachgewiesen werden. Diese "Störungen" im Erzlager, die durch das Einbrechen des Rheingrabens verursacht wurden, verlaufen hauptsächlich von Süden nach Norden. Zwischen Ringsheim und Herbolzheim befindet sich außerdem eine weitere Verwerfung in west-östlicher Richtung. Hier sind die Schichten des Erzlagers um 120 Höhenmeter gegeneinander verschoben. Auch der Kaiserstuhlvulkanismus hinterließ seine Spuren in dem ehemaligen Meeresboden: Mehrere Tuffschlote durchstießen das Erzlager und zerklüfteten es so stark, dass in ihrer Umgebung der Eisenerzabbau eingestellt werden musste.

Die Geologie des Kahlenbergs

Erst vor etwa 150 Jahren begannen Wissenschaftler, sich mit der Erdgeschichte des Kahlenbergs genauer zu befassen. Zu den ältesten Arbeiten gehören die geowissenschaftlichen Beschreibungen des Unteren Breisgaus des Geologen Philipp Platz aus dem Jahr 1858. Schon aus der Entfernung fiel ihm der Kontrast des dunkelroten Bodens aus Eisenrogenstein zum vorherrschenden weißen Lösslehm auf. An kleinen Steinbrüchen und natürlichen Erdaufschlüssen nahm er Profile der Schichten auf und beschrieb die Geologie des Kahlenbergs nach dem damaligen Kenntnisstand. Er ordnete die Gesteinsschichten des Kahlenbergs dem Mittleren Jura und der Epoche des "Unteren Oolith" zu. Diesen untergliederte er in den "Unteren Eisenkalk" und den "Coronatenkalk".

Die heute gültigen Bezeichnungen für diese Gesteinsschichten sind Ober-Aalenium bis Mittelbajocium. Auf diese Schichten folgt dann der Hauptrogenstein. Der alles überdeckende Löss erschwerte Philipp Platz die Arbeit sehr. Der Geologe nahm an, dass es sich beim Löss um Ablagerungen eines Sees aus dem Pleistozän handelte. Dieses Erdzeitalter begann vor etwa zweieinhalb Millionen Jahren. Heute weiß man, dass Löss von den Gletschern der Eiszeit angewehter Gesteinsstaub ist. Auch die Verwerfungen und Störungen, die sich entlang der Vorbergzone von Süd nach Nord ziehen, fielen Philipp Platz bereits auf. Sie ließen sich auf der Höhe des Kahlenbergs besonders gut beobachten. Damals war noch nicht bekannt, dass die Erdkruste aus beweglichen Platten besteht. Deshalb führte er die Verwerfungen und Schollenbildungen auf den Vulkanismus während des Tertiärs zurück.

Erste Fossilienfunde

Aus dem Unteren Eisenkalk waren Philipp Platz vom Kahlenberg keine Überreste urzeitlicher Lebewesen bekannt. Aus der südlich des Kahlenbergs gelegenen Stadt Kenzingen beschreibt er jedoch Schichten der Kammmuschel Pecten personatus. Aus Hugstetten, einem Ort nördlich der Stadt Freiburg, nennt er einen Fund des urtümlichen, in einem Kalkgehäuse lebenden Ammoniten Ammonitus discus, der heute den wissenschaftlichen Namen Staufenia staufensis trägt. Die schneckenhausförmig aufgerollten Kalkschalen der Ammoniten, urzeitlichen Verwandten der heutigen Tintenfische, sind für Ablagerungen der Meere des Jura charakteristisch. Aus dem Coronatenkalk des Kahlenbergs nennt Philipp Platz die Hahnenkammauster Ostrea (heute Lopha) marshii, die Ammoniten Ammonites coronatus (heute Blagdenia sp.) und den ebenfalls mit den Tintenfischen verwandten Belemnites canaliculatus.

Die Fossilien ließen sich alle nur schwer aus dem Gestein lösen. Aus dem Hauptrogenstein am Südhang des Kahlenbergs führt Philipp Platz die Seelilie Pentacrinites scalaris, die Muschel Trigonia costata und den Armfüßer Terebratula concinna auf. Die Brachiopoden oder Armfüßer sind ein heute nur noch mit wenigen Arten vertretener alter Tierstamm festsitzender Meerestiere. Sie haben ähnlich wie die Muscheln zwei Schalenklappen, sind mit ihnen aber nicht näher verwandt.

Neuere Aufnahmen des Gesteinsprofils

Wesentlich bessere Ausgangsbedingungen für ein geologisches Profil hatte Kurt Sauer neunzig Jahre später. Der Eisenerzbergbau hatte 1937 begonnen und die geologischen Schichten des Kahlenbergs waren deshalb an vielen Stellen freigelegt. In seiner Doktorarbeit aus dem Jahre 1948 erstellte Sauer eine detaillierte Dokumentation der Gesteinsprofile des Kahlenbergs. Sie hat im Wesentlichen bis heute Gültigkeit.

In seiner 1970 erschienenen Arbeit über das Profil des Kahlenbergs berichtigte Ulf Bayer lediglich die Grenzziehung zwischen Aalenium und Bajocium: während Sauer das Ende des Aaleniums auf das so genannte Gryphitenlager datierte, verlegte Bayer die Aalenium-Bajocium-Grenze anhand von Ammonitenfunden in die obere Schicht des Unteren Erzbandes. Die oberste Schicht dieses Erzbandes - die Ommissionsschicht - gehört damit bereits zum Bajocium. 1984 nahmen die Geologen Gassmann und Mattes das Gesteinsprofil neu auf und fügten dabei ein "Drittes Erzband" in die Tone zwischen Oberen Erzband und dem Wedelsandstein ein. Die Listen der Fossilien, die von den Autoren jeweils angeführt werden, enden bei allen Profilaufnahmen in den Tonen über dem Oberen Erzband.