Die Schichtenfolge des Kahlenbergs


Die Einteilung der Schichtenfolge in Zonen wird nach den jeweils leitenden Fossilien vorgenommen. Im Jura sind dies die Ammoniten. Von diesen Leitfossilien konnten am Kahlenberg folgende Arten nachgewiesen werden:

- Staufenia staufensis (in B. Reichenbach: Der Kahlenberg und seine Schätze)
- Ludwigia murchisonae (in W. Spiegler: Graphoceratidae des Ober-Aalenium)
- Graphoceras concavum (in B. Reichenbach: Der Kahlenberg und seine Schätze)
- Hyperlioceras discites (in B. Reichenbach: Der Kahlenberg und seine Schätze)
- Witchellia laeviuscula (in Geolog. Landesamt Baden-Württemberg: Informationen 9)
- Stephanoceras humphriesianum (in B. Reichenbach: Der Kahlenberg und seine Schätze)

Die Schichtenfolge im Detail

Die Schichtenfolge beginnt mit dem Opalinus-Ton aus dem Aalenium, der rund 80 Meter Mächtigkeit haben soll. In Ringsheim ist er aber nur durch Bohrungen nachgewiesen. Die Bohrungen wurden jeweils nach wenigen Metern eingestellt, sobald der Opalinus-Ton erreicht war. Darüber folgen vier Meter erzfreie Sandkalke. Sie gehen in die Eisenerz führende elf Meter starke Murchisonae-Schicht über. Wie andere Gesteinsschichten ist diese nach den für sie charakteristischen Fossilien benannt. Für das Eisenerzlager sind die versteinerten Kalkschalen des urzeitlichen Ammoniten Ludwigia murchisonae typisch. Der Eisenerzgehalt des Erzlagers beträgt etwa 20 Prozent, der Kalkanteil ungefähr 30 Prozent. Das Gestein dieser Schicht wurde bergmännisch abgebaut, um daraus Eisenerz zu gewinnen. Das Erzlager fällt auch heute noch durch seine dunkelrote Farbe ins Auge.

Als nächste Schicht folgt das nach der Auster Gryphea calceola benannte Gryphitenlager mit 1,8 Metern Mächtigkeit. Es besteht aus dunkelgrauen Mergeln. Der Abschuss dieses Lagers war sehr standfest, so dass sogar Werkstraßen beim Eisenerzabbau darauf angelegt wurden. Mit dem Gryphitenlager schließt die Murchisonae-Schicht ab und es beginnt die nach dem Ammoniten Graphoceras concavum benannte Concavum-Zone mit dem 6,5 Meter mächtigen gelben bis blauen Concavum-Sandstein. Mit dem folgenden bis zu 80 Zentimeter starken Unteren Erzband endet die Concavum- Zone und damit auch das Aalenium. Das Untere Erzband enthält ebenfalls Eisenerz und ist deshalb rot gefärbt. Wegen seiner geringen Mächtigkeit wurde es aber nicht abgebaut. Die Gerölllage auf dem Unteren Erzband gehört bereits zur nach dem Ammoniten Hyperlioceras discites benannten Zone und damit ins Unterbajocium. Die 1,8 Meter starken Zwischenschichten bestehen aus blaugrauen Mergeln.

Darauf folgt das Obere Erzband mit bis zu 80 Zentimetern Mächtigkeit. Das braunrote Gestein enthält ebenfalls Eisenverbindungen. Diese Schichtenfolge vom Erzlager bis zum Oberen Erzband ist noch beim Kraftwerk des ZAK zu sehen. Hier hat man die seltene geologische Gelegenheit, die Aalenium- Bajocium-Grenze direkt betrachten zu können. Es folgen auf das Obere Erzband wieder rund sechs Meter blaugraue Tone und Mergel. Darin ist eine etwa 50 Zentimeter starke Schicht aus Toneisensteinen, das so genannte "Dritte Erzband", eingelagert. Darüber liegen gelbe, sandige Kalksteinbänke, der Wedelsandstein mit 2,5 Metern Stärke.

Es folgen weitere sechs Meter blaugraue Tone, die von den etwa 2,5 Metern mächtigen Blaukalken überdeckt werden. Mit den Blaukalken endet die Laeviscula-Zone und das Unter-Bajocium. Hier beginnt das Mittelbajocium mit der Sauzei-Zone, die ihren Namen nach dem Ammoniten Emileia sauzei erhielt. Diese Zone besteht aus den eineinhalb Metern mächtigen Rimsinger Tonen und den zwei Meter dicken Bänken der Muschel Entolium demissum. Auf die Sauzei-Zone folgt die nur einen Meter starke Humphriesianum-Zone, die nach dem Leitfossil Stephanoceras humphriesianum benannt ist.

Mit den folgenden bis zu 13 Metern mächtigen Blagdeni-Schichten schließt die Folge der Gesteinsschichten des Juras am Kahlenberg ab. Sie wird von bis zu zehn Metern starken Lössschichten überlagert, die während der letzten Eiszeiten herangeweht wurden. Die Schichten vom Wedelsandstein bis zu den Blagdeni-Schichten sind bei der Abfallannahmestation der Deponie Kahlenberg in Richtung Süden sichtbar. Durch die vielen Erdbewegungen ist das geologische Profil für Laien aber nur schwer zu erkennen.

Die Fossilien der geologischen Schichten des Kahlenbergs

Die Fossilien des Kahlenbergs sind bei den Sammlern sehr begehrt, da nur wenige Aufschlüsse aus der Zeit des Ober-Aaleniums und des Unterbajociums existieren. Weitere Informationen erhalten Sie unter Fossilien.