Biologische Trocknung


Die Biologische Trocknung ist die dritte Verfahrensstufe der MBA Kahlenberg. Hier werden jährlich etwa 60.000 Tonnen des bei der Perkolation ausgewaschenen Abfalls weiter behandelt. Danach sind die Rückstände ausreichend getrocknet, um sie in der vierten Verfahrensstufe in weiter verwertbare oder zu entsorgende Bestandteile aufzutrennen.

Wie funktioniert die "Biologische Trocknung"?


Die Biologische Trocknung ist sehr eng verwandt mit der Kompostierung. Die Hauptarbeit verrichten bei beiden Verfahren Bakterien und Pilze, die zum Überleben Sauerstoff benötigen. Diese mit dem Fachbegriff als "aerobe Mikroorganismen" bezeichneten Kleinstlebewesen kommen überall im Abfall vor. Sie ernähren sich von den organischen Abfallbestandteilen, die sie zu Kohlendioxid und Wasser abbauen. Daneben entsteht bei ihren Stoffwechselvorgängen Wärme. Bei der Kompostierung versucht man, die Menge des biologischen Abfalls möglichst stark zu vermindern und am Ende einen Bodenverbesserer zu erhalten. Dieser kann zum Beispiel im eigenen Garten eingesetzt werden.

Das Ziel der Biologischen Trocknung besteht dagegen darin, das Material möglichst stark auszutrocknen. Dazu wird die Wärme genutzt, die die Mikroorganismen produzieren. Diese lässt das Wasser im Abfall verdunsten. Der entstandene Wasserdampf wird von der Luft weggetragen, so dass der Abfall nach und nach austrocknet.

Die Trocknungstunnel


Der Trocknungsvorgang läuft in neun in einer Reihe aufgestellten Trocknungstunneln ab. Dies sind 30 Meter lange Betonbehälter mit einem dicht schließenden Tor an einem Ende. Durch Öffnungen in der Tunneldecke werden die Abfallreste aus der Biologischen Umsetzung eingefüllt. Im Betonboden der Tunnel sind Düsen eingebaut, über die die Abfallreste später belüftet werden. Auf dem Boden liegt zudem der "Walking-Floor", ein beweglicher Boden aus Metallstangen, mit dem der Tunnel später geleert wird. Jeder Tunnel besitzt ein eigenes Be- und Entlüftungssystem. Mit Messinstrumenten werden die Temperatur der Abfallreste und der Sauerstoffgehalt der verbrauchten Luft während des Trocknungsvorgangs geprüft.

Mit dieser Technik werden für die Mikroorganismen besonders günstige Lebensbedingungen eingestellt, damit sie möglichst viel Wärme für die Trocknung der Abfallreste produzieren.

Die wichtigsten Maschinen


Vor der Tunnelreihe befinden sich das Tunneleintrags- und das Tunnelaustragsgerät. Mit diesen mobilen Maschinen werden die Tunnel gefüllt oder entleert. Sie können jeden einzelnen Tunnel anfahren und dort andocken. Das Tunneleintragsgerät besteht aus mehreren Förderbändern, die in den Tunnel einfahren und dort die Abfallreste gleichmäßig verteilen. Das Tunnelaustragsgerät arbeitet mit seinen bezahnten Walzen ähnlich wie eine Fräse. Es übernimmt das getrocknete Material, das ihm über den beweglichen Boden des Tunnels zugeführt wird, und wirft es über Förderbändern ab.

Die Intensivtrocknung


Wenn der Auswaschvorgang bei der Biologischen Umsetzung im Perkolator abgeschlossen ist, werden die Abfallreste mit Pressen entwässert. Danach gelangen sie über geschlossene Förderer zu den Intensivtrocknungstunneln. Ein leerer Tunnel wird ausgewählt. Das Tunneleintraggerät wird vor diesem Tunnel aufgestellt und seine Förderbänder werden in den Tunnel eingefahren. Durch eine Öffnung in der Decke des Tunnels fällt nun das Material auf die Förderbänder und wird von diesen gleichmäßig im Tunnel verteilt. Es dauert etwa einen Tag, bis ein Tunnel gefüllt ist. In dieser Zeit werden knapp 300 Tonnen Abfallreste eingetragen. Danach beginnt die Intensivtrocknung.

Dazu wird das Tunneleintragsgerät aus dem Tunnel herausgefahren und das Tunneltor dicht verschlossen. Jetzt kann das Belüftungssystem des Tunnels eingeschaltet werden und der Trocknungsvorgang startet. Die Düsen im Boden des Tunnels blasen Luft in die aufgeschütteten Abfallreste. Die eingeblasene Luft wird aus anderen Bereichen der MBA, beispielsweise aus den Hallen und von den Förderbändern abgesaugt. Sie durchströmt das aufgeschüttete Material und versorgt die Kleinstlebewesen mit Sauerstoff. Deren Aktivität steigt nun stark an. Sie vermehren sich und produzieren immer mehr Wärme. Damit steigt die Temperatur in den Abfallresten innerhalb von wenigen Stunden auf deutlich über 50 °C.

Wie ein Windstoß über feuchter Haut nimmt die Luft den bei dieser hohen Temperatur verdunstenden Wasserdampf auf, wenn sie das im Trocknungstunnel aufgeschüttete Material durchströmt. Außerdem transportiert sie auch überschüssige Wärme ab. Die zugeführte Luft ist deshalb nicht nur für die Atmung der Mikroorganismen wichtig. Sie kühlt auch das aufgeschüttete Material, damit die Kleinstlebewesen nicht von der selbst produzierten Wärme überhitzt und abgetötet werden. Die warme und feuchte Luft wird durch die Tunneldecke abgesaugt und zunächst über Wärmetauscher geführt. Dort gibt sie einen Teil der Wärme ab. Diese wird in der Anlage weiter genutzt. Zuletzt wird die Luft dann an die Abluftbehandlung der MBA abgegeben und dort gereinigt.

Die Nachtrocknung


Nach vier Tagen im Intensivrottetunnel sind etwa 40 Prozent des ursprünglich in den Abfallresten enthaltenen Wassers verdunstet. Der erste Trocknungsschritt ist damit beendet. Nun dockt das Tunnelaustragsgerät an den Tunnel an. Die Abfallreste werden von dem beweglichen Boden gegen die Fräswalzen des Tunnelaustragsgeräts gedrückt. Hier werden sie abgefräst und auf Förderbänder aufgegeben, die sie weiter zu den Nachtrocknungstunneln transportieren. Dort werden sie mit dem Tunneleintragsgerät in einen weiteren Tunnel eingetragen. Dieser Vorgang wird "Umsetzen" genannt.

Er sorgt dafür, dass das Material aufgelockert und dadurch gleichmäßig belüftbar wird. Die nun folgende Nachrotte dauert noch einmal vier Tage. In dieser Zeit gibt der Reststoff noch einmal 25 Prozent des ursprünglich enthaltenen Wassers ab. Am Ende der Biologischen Trocknung haben die Abfallreste etwa 40 Prozent ihres Ausgangsgewichts verloren und enthalten nur noch rund 15 Prozent Wasser. Der fertig getrocknete Reststoff wird nun vom Tunnelaustragsgerät aus dem Tunnel entnommen und zur nächsten Behandlungsstufe, der Mechanischen Stofftrennung, befördert.