Mechanische Stofftrennung


In der Mechanischen Stofftrennung gelangt der getrocknete Reststoff zunächst auf ein mehrere Quadratmeter großes, ebenes Sieb, das sogenannte "Plansieb". Dieses Plansieb enthält vier Siebbleche mit unterschiedlich großen Sieblochungen. Das ungetrennte Stoffgemisch wird auf einer Seite des kreisförmig rotierenden Siebs aufgeschüttet und wandert in Richtung Siebauslauf. Durch die vier Siebbleche können vier verschiedene Siebfraktionen gleichzeitig abgesiebt werden. Was auf Grund seiner Größe nicht durch die Sieblochungen fallen kann, verlässt am Siebauslauf als fünfte Fraktion (Siebüberlauf) das Sieb. Jede der vier abgesiebten Fraktionen fällt zunächst in einen Dosierbehälter. Ist ein bestimmter Füllstand erreicht, startet der nachgeschaltete Trenntisch. Was passiert nun auf einem solchen Trenntisch? Das Material, das getrennt werden soll, fällt zunächst in die Mitte eines schräg angeordneten Metallnetzes. Die Maschen dieses Netzes sind so klein, dass das Material nicht hindurchfallen kann.

Ein mechanischer Antrieb sorgt nun dafür, dass der Trenntisch eine schnelle, aber gerichtete Schwingbewegung vollführt. Dabei wird schweres Material mit viel Kontakt zum Trenntisch nach oben transportiert. Durch die Maschen des Netzes wird gleichzeitig Luft geblasen. Der Luftstrom wird so eingestellt, dass leichte Stoffe nicht weggeblasen werden, sondern wie auf einem Luftkissen schweben. Auf diesem Luftkissen gleiten sie der Schwerkraft folgend nach unten. Auf diese Weise wird schweres Material von leichtem getrennt. Die vier Leichtfraktionen können nun beliebig gemischt und entweder in einen Lastkraftwagen mit Schubboden oder in einen Presscontainer verladen werden. Die feinkörnigste Leichtfraktion kann zusätzlich noch in ein Silo ausgeschleust werden. Die vier Schwerfraktionen werden vereint und an einer weiteren Verladestation in einen geschlossenen Lastkraftwagen gekippt. Von dort werden sie auf die Deponie transportiert. Der Siebüberlauf aus dem Plansieb wird in dieser Verfahrensstufe derzeit nicht weiter getrennt, sondern in einer externen Anlage im Gewerbepark Breisgau weiter aufbereitet. Um erfolgreich mechanisch behandelt zu werden, muss das Material in der vierten Verfahrensstufe sehr trocken sein. Dies führt zu einer erheblichen Staubentwicklung.

Aus Gründen des Arbeitsschutzes und der Sicherheit sind deshalb alle Aggregate und Förderer abgedichtet und werden abgesaugt. Die staubhaltige Abluft aus den belüfteten Trenntischen und den abgesaugten Maschinen wird in einem Staubfilter gereinigt und dann zum größten Teil wieder in die Anlage zurückgeführt. Ein geringer Teil wird bei entsprechender Schadstoffbelastung zuvor mit Aktivkohlefiltern weiter aufbereitet und verlässt dann die Anlage.

Ersatzbrennstoffe - "Treibstoffe" gegen den Treibhauseffekt


Eine der großen Aufgaben unserer Zeit ist die Versorgung mit Energie in ausreichender Menge. Die Industriegesellschaften stillen ihren enormen Energiebedarf nach wie vor mit Atomstrom und fossilen Energieträgern wie Kohle, Gas und Öl. Dies ist jedoch mit schwer wiegenden ökologischen Nachteilen verbunden: Eine sichere Entsorgung des über Tausende von Generationen hinweg gefährlichen Atommülls ist nicht gewährleistet. Die fossilen Energieträger wiederum stehen nicht in unbegrenzter Menge zur Verfügung und gefährden bei ihrer Verbrennung das Klima. Um die Ressourcen zu schonen und das Klima zu schützen, wurden besonders in Deutschland zahlreiche alternative Energieträger und regenerative, nachhaltig einsetzbare Technologien entwickelt. Auch einige Fraktionen der Reststoffe, die aus dem in der MBA Kahlenberg behandelten Müll stammen, sind alternative Energieträger und besitzen regeneratives Potenzial.

Die in der ersten Verfahrensstufe "Mechanische Aufbereitung" abgetrennte heizwertreiche Grobfraktion mit ihrem hohen Kunststoffanteil kann in geeigneten Kraftwerken Primärbrennstoffe wie beispielsweise Kohle ersetzen. Deshalb werden solche Stoffe auch Ersatzbrennstoffe (EBS) oder Sekundärbrennstoffe (SBS) genannt. Die Grobfraktion besitzt pro Kilogramm einen Heizwert von über 20.000 Kilojoule. Dieser Heizwert entspricht dem von Braunkohlen-Briketts. Die Leichtstoffe aus der Mechanischen Stofftrennung sind ebenso als Ersatzbrennstoffe nutzbar. Ihr Heizwert ist mit 11.000 bis 16.000 Kilojoule pro Kilogramm etwas geringer und vergleichbar mit dem Energiegehalt von luftgetrocknetem Holz. Besonders interessant sind diese Brennstoffe wegen ihres Gehalts an Biomasse. Werden die Ersatzbrennstoffe im Kraftwerk eingesetzt, verbrennt der Biomasseanteil "CO2- neutral", weil das dabei frei werdende Kohlendioxid zuvor beim Wachstum der Pflanzen unserer heutigen Atmosphäre entnommen wurde. Damit ist es Bestandteil des natürlichen Kohlenstoffkreislaufs der Erde und trägt nicht zum Treibhauseffekt bei. Das Kohlendioxid, das bei der Verbrennung fossiler Energieträger entsteht, stammt dagegen aus der Lufthülle von schon vor Millionen von Jahren vergangenen Erdzeitaltern. Es belastet unsere heutige Atmosphäre und gefährdet damit unser Klima.

Deutschland hat sich mit der Unterzeichnung des Kyoto-Protokolls verpflichtet, den Kohlendioxid-Ausstoß in den nächsten Jahren stufenweise zu senken. Besonders die energieintensiven Industriezweige, beispielsweise Braun- und Steinkohlekraftwerke, produzieren große Mengen des Klima gefährdenden Kohlendioxids. Sie haben deshalb ein starkes Interesse daran, auf biomassehaltige Ersatzbrennstoffe auszuweichen. Durch die vorgeschaltete Siebung fallen die Ersatzbrennstoffe in verschiedenen Korngrößen an. Sie können je nach Anforderung des Brennstoffabnehmers an die Körnung des Materials gemischt oder einzeln ausgeschleust werden.

Deponieren ohne (Nach-)Sorge


Seit dem 1. Juni 2005 dürfen nur Abfälle auf Deponien abgelagert werden, die den Bestimmungen der Abfallablagerungsverordnung (AbfAblV) entsprechen. Für eine Vielzahl von Abfallarten, auch für die häuslichen Abfälle, bedeutet dies, dass sie ohne Vorbehandlung nicht mehr abgelagert werden dürfen. Siedlungsabfälle können zur "Vorbehandlung" in einer Müllverbrennungsanlage verbrannt oder in einer mechanisch-biologischen Anlage behandelt werden. Im Vergleich zu früher gelten heute wesentlich strengere Kriterien zur Abfallablagerung auf Deponien. Sie sind so gewählt, dass von den abgelagerten Stoffen möglichst keine Gefahren mehr für Mensch und Umwelt ausgehen. Um abgelagert werden zu können, darf das Material weder Deponiegas entwickeln noch das Grundwasser belasten. Eine aufwendige Deponie-Nachsorge, womöglich über mehrere Generationen, wie dies für Deponien mit nicht vorbehandelten Abfällen erforderlich ist, kann damit künftig entfallen. Deponieren soll weder die Umwelt schädigen, noch nachfolgende Generationen mit Nachsorgepflichten belasten.

In der MBA Kahlenberg fallen direkt zwei Stoffströme an, die diesen neuen Ablagerungskriterien genügen und künftig gefahrlos deponiert werden können. Zum einen handelt es sich dabei um eine Sandfraktion, die in der Verfahrensstufe "Biologische Umsetzung" aus dem Perkolationswasser im Sandfang anfällt. Zum andern erfüllen die bei der Mechanischen Stofftrennung anfallenden Inertstoffe, die beispielsweise Steine, Glas- oder Keramikscherben enthalten, die strengen Anforderungen zur Deponierung. Der größere Teil der Feststoffe, die nach Behandlung in der MBA Kahlenberg noch übrig bleiben, sind als heizwertreiche Stoffe zum Ersatz primärer fossiler Energieträger in Kraftwerken vorgesehen. Als Nebenprodukte der Verbrennung entstehen Schlacke und Asche, die häufig als Baustoffe im Straßen- und Deponiebau weiter Verwendung finden, aber auch unter den neuen Kriterien zur Ablagerung deponiert werden dürfen.

Bahnverladung


Der Siebüberlauf aus der Mechanischen Stofftrennung ist ein Gemisch aus mineralischen Bestandteilen wie Steinen, Glas, Keramik oder Knochen sowie Hartkunststoffen, Folien, Holzteilen und ähnlichen Resten. Dieser Siebüberlauf wird derzeit nicht getrennt, sondern direkt nach dem Absieben zur Presscontainer-Station befördert. Die Presscontainer-Station ist ein vollständig geschlossenes System. Ein Hakenlift-Fahrzeug sattelt den vollen Presscontainer auf und transportiert ihn zur Bahnverladung.

An jedem Arbeitstag werden dort die Container auf Waggons verladen und mit der Bahn in den Gewerbepark Breisgau in Eschbach bei Freiburg gebracht. Dort können sie weiter aufbereitet oder entsorgt werden. Auch die in der Sortierkabine aus der Mechanischen Aufbereitung ausgeschleusten Störstoffe, sowie die am Neodym-Magnet abgeschiedene, schadstoffhaltige Restfraktion werden in Bahncontainer verladen und zum Gewerbepark Breisgau transportiert. Da diese Bestandteile nicht weiter verwertbar sind, werden sie in der dortigen Müllverbrennungsanlage TREA (=Thermische Restabfallbehandlungs- und Energieerzeugungs-Anlage) Breisgau entsorgt.