Abluftreinigung


Die gesamte Anlage benötigt frische Luft und produziert Abluft. Im unteren Drittel des Anlagenkomplexes, auf der Ebene der Biologischen Trocknung, befindet sich die Abluftbehandlungsanlage der MBA, erkennbar an ihrem 26 Meter hohen Kamin. Bevor sie den Kamin erreicht, wird die entstandene Abluft einer gründlichen Reinigung unterzogen, die sehr strengen gesetzlichen Regelungen unterliegt.

Eine kleine Reise in und durch die Anlage


Die Luft, die der Reinigung zuströmt, hat zuvor eine rasante, etwa einstündige Reise hinter sich, die ihren Anfang beispielsweise an der Toreinfahrt der Anlieferungshalle genommen haben könnte: Wie jede Halle der Anlage hat auch die Anlieferungshalle eine sehr dichte Hülle, damit möglichst keine Gerüche nach außen entweichen. Da kleine Undichtigkeiten aber nicht ausgeschlossen werden können und jede Halle auch Türen und Tore besitzt, durch die Luft austreten könnte, wird stetig Luft aus der Halle abgesaugt. Wenn ein Tor für ein Anlieferfahrzeug geöffnet wird, strömt Außenluft in die Halle hinein. Gerüche können so nicht nach außen dringen. Die angesaugte Luft bleibt durchschnittlich eine Stunde lang in der Halle. In dieser Zeit strömt sie langsam zu einer Öffnung in der Nähe der Hallendecke, dem Absaugrohr. Dort angelangt beginnt der turbulente Teil der Luftreise: Innerhalb von Augenblicken wird die Luft in die Absaugöffnung eingezogen und auf eine Geschwindigkeit von etwa 70 Stundenkilometern beschleunigt. Die Reise im Abluftsammelrohr beginnt.

Nach kurzer Zeit verbreitert sich das Rohr und Abzweigungen tauchen auf, durch die weitere Luft einströmt. Diese Luft stammt aus der Mechanischen Aufbereitung, die sich in der nächsten Halle der Anlage befindet. Sie wird dort nicht direkt aus der Halle abgesaugt, sondern nimmt den Umweg über die Maschinentechnik. Die zahlreichen mit Abfällen beladenen Förderbänder, Siebe und anderen Maschinen befinden sich hier, wie in der gesamten MBA Kahlenberg, in dichten Hüllen, die ständig abgesaugt werden. Gerüche und Staub treten auf diese Weise nicht in die Halle aus, sondern werden mit der Luft aus der Maschine abgezogen. Die Luft gelangt in das Sammelrohr und vereint sich dort mit der vorbeiströmenden Luft aus der Anlieferungshalle. Ein paar Augenblicke später verbreitert sich das Sammelrohr abermals.

Nun kommt ein dritter Luftstrom, die Hallen- und Maschinenabluft aus der Halle der Biologischen Umsetzung, hinzu. Dann erreicht der gesammelte Luftstrom die Biologische Trocknung. Der größte Teil der Hallen- und Maschinenabluft dient hier als Sauerstofflieferant und Kühlmittel in den Trocknungstunneln. Die Luft wird von den Ventilatoren der Tunnel angesaugt und durch die Abfallreste gepresst, die in den Tunneln aufgeschüttet sind. Danach ist die Luft warm, geruchsbeladen und wasserdampfgesättigt und bereit für die Abluftreinigung. Die Reise von der Absaugöffnung der Anlieferungshalle bis zur Abluftreinigung dauert nur ungefähr 30 Sekunden.

Die Abluftbehandlungsanlage


Neben der Abluft aus den Tunneln der Biologischen Trocknung erreichen die Abluftbehandlungsanlage weitere Luftströme. Dazu gehört auch die Abluft der Perkolatoren, die mit der Tunnelabluft zur Prozessabluft zählt. Weiterhin fallen noch gering belastete Luftströme an Hallen- und Maschinenabluft an, die nicht in anderen Prozessen wie beispielsweise der Biologischen Trocknung eingesetzt wurden. Für die unterschiedlichen Luftströme werden verschiedene Reinigungsverfahren angewendet, die nach Art und Menge der in der Luft enthaltenen Verunreinigungen ausgewählt wurden.

Luftbefeuchtung und Biofilter


Die Reinigung der nur schwach belasteten Hallen- und Maschinenabluft beginnt im Luftbefeuchter. Dieser Behälter ist ein senkrecht stehendes Rohr mit großem Durchmesser, in den durch Düsen Wasser fein verteilt eingesprüht wird. Das Wasser trifft auf die Abluft, die den Behälter durchströmt, feuchtet sie an und bereitet sie so auf die folgende, biologische Reinigungsstufe, den Biofilter, vor. Dem im Luftbefeuchter verdüsten Wasser können Chemikalien beigemischt werden, um unerwünschte Inhaltsstoffe der Luft zu neutralisieren. So kann beispielsweise mit zugesetzter Schwefelsäure das für den Biofilter schädliche Ammoniak gebunden werden. Auf der MBA Kahlenberg sind acht geschlossene und überwiegend mit kompostiertem Rindenmulch gefüllte Biofiltercontainer im Einsatz, auf die die feuchte Abluft gleichmäßig verteilt wird. Bakterien und Pilze haben sich auf der Oberfläche des Rindenmulchs angesiedelt.

Ähnlich wie in der Biologischen Umsetzung und der Biologischen Trocknung werden auch hier Kleinstlebewesen genutzt, um die Abluft zu reinigen. Damit dieser Vorgang optimal verläuft, müssen die Lebensbedingungen der Mikroorganismen stimmen und der Rindenmulch darf nicht zu trocken werden. Die im Luftbefeuchter mit Wasser angereicherte Abluft und zusätzliche Bewässerungsvorrichtungen in den Biofiltern verhindern die Austrocknung. Derart gut versorgt nehmen die Lebewesen die Verunreinigungen aus der Luft auf und bauen sie zu unschädlichem Kohlendioxid und Wasserdampf ab. Die aus den Biofiltern austretende, gereinigte Luft wird zum Abluftkamin hin abgeleitet.

Luftwäscher und Regenerativ-Thermische-Oxidationsanlage


Die Reinigung der Prozessabluft gestaltet sich aufwendiger, da sie deutlich mehr Verunreinigungen enthält als die Hallenluft. Aus diesem Grund ist auch die biologische Reinigung, also der Einsatz von Biofiltern, für diese Luft ausgeschlossen. Mit den Biofiltern könnten die strengen gesetzlichen Grenzwerte, die die an die Umwelt abgegebene Luft einhalten muss, nicht erreicht werden. Stattdessen wird eine so genannte "Regenerativ-Thermische-Oxidationsanlage" (RTO) eingesetzt, in der die Verunreinigungen unter hohen Temperaturen zerstört und hauptsächlich in Kohlendioxid und Wasser umgewandelt werden. Vorher muss die Prozessluft jedoch mehrere Abluftwäscher durchlaufen. Sie gleichen im Aufbau dem Luftbefeuchter der Biofilter. Auch hier wird die Abluft mit Wasser bedüst. Dieser Wasserzusatz dient jedoch nicht der Befeuchtung. Das Wasser ist mit Säure oder Lauge und weiteren Chemikalien versetzt, die unerwünschte Substanzen wie Ammoniak und Schwefelwasserstoff aus der Abluft herauswaschen. Diese würden sonst die Reinigungsleistung der Oxidationsanlage verringern, zu der der Abluftstrom nun gelangt.

Die Oxidationsanlage ist - vereinfacht ausgedrückt - eine Luftverbrennungsanlage. In ihrem quaderförmigen Gehäuse liegen getrennte Kammern mit Formsteinen, den Wärmeträgern. Diese werden zunächst mit einem Gasbrenner auf etwa 800 °C aufgeheizt. Als Brenngas wird in der Biologischen Umsetzung produziertes Biogas eingesetzt. Ist die Temperatur erreicht, strömt die Abluft über die Wärmeträger in eine der Kammern. Die Verunreinigungen verbrennen nun schlagartig, dieser Prozess wird "Oxidation" genannt. Dabei wird zusätzliche Wärme frei, die zum größten Teil in den Wärmeträgern gespeichert und für die nächste Verbrennung genutzt wird. Enthält die Luft viele Verunreinigungen, dann entsteht bei der Verbrennung so viel Wärme, dass kein zusätzliches Biogas mehr zugeführt werden muss.

Der Prozess läuft dann von alleine, man sagt "autotherm", und sehr energiesparend weiter. Die gereinigte Abluft verlässt die Oxidationsanlage, gelangt zum Kamin und wird dort zusammen mit der Abluft der Biofilter an die Umwelt abgegeben. Die Reinigungs-
leistung der Abluftbehandlungsanlage wird laufend überwacht. Dazu sind verschiedene Messgeräte im Luftstrom des Kamins installiert, die stetig Luftmenge, Lufttemperatur und -inhaltstoffe überprüfen.

Stündlich durchreisen so etwa 65.000 Kubikmeter Luft die MBA Kahlenberg auf ihrem Weg zur Abluftreinigung. Das entspricht in etwa dem Brutto-Rauminhalt von 65 Einfamilienhäusern.