Naturgeschehen


Insekten - Die Schmetterlinge am Kahlenberg

Der 2006 erschienene Blickpunkt des Zweckverbandes Abfallbeseitigung Kahlenberg (ZAK) ermöglicht dem interessierten Insektenfreund im Kahlenberg-Gebiet mehr Einblick in die bunte Welt der bei uns heimischen Schmetterlinge.

Am Kahlenberg leben über 300 Schmetterlingsarten. Davon gehören 46 Arten zu den Tagfaltern, 254 Arten zählen zu den Nachtschmetterlingen. Mit seinen vielfältigen Biotopen bietet der Kahlenberg diesen schönen und heute leider an vielen Orten selten gewordenen Insekten Lebensraum. Aus Deutschland sind zum jetzigen Zeitpunkt über 3.000 Falterarten bekannt, in Baden-Württemberg leben 1.167 Schmetterlingsarten. Das Naturkundemuseum in Karlsruhe verfügt über eine der drei größten Faltersammlungen Deutschlands. Nach Angaben von Herrn Dr. Robert Trusch, einem hauptamtlichem Insektenkundler am Badischen Landesmuseum Karlsruhe, gibt es über hundert private Schmetterlingsforscher im Südwesten.

Diese stellten in ihren Bestandsaufnahmen fest, dass rund die Hälfte der heimischen Arten in ihrem Bestand gefährdet ist. Wesentliche Gründe für diese Gefährdung sind unter anderen der Einsatz von Insektengiften und die Flurbereinigung. Viele Insektenkundler haben zusammengearbeitet und mit "Die Schmetterlinge Baden-Württembergs" im Laufe der letzten zehn Jahre ein wissenschaftliches Standardwerk geschaffen. Es gibt den heutigen Stand zur Lebensweise, der Verbreitung und dem Grad der Gefährdung der bei uns lebenden Falterarten wieder. Der letzte der zehn Schmetterlingsbände konnte Ende des Jahres 2005 der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Sie geben Zeugnis des vielfältigen Artenreichtums unserer Insektenwelt, belegen aber gleichzeitig auch das Aussterben von ehemals einheimischen Schmetterlingsarten in den vergangenen 30 bis 50 Jahren und den beunruhigenden Rückgang weiterer Arten.

Am Kahlenberg konnten wir zwischen Mai 1999 und Oktober 2005 an 27 Beobachtungsabenden, teils bis über Mitternacht hinaus
- 8 Schwärmer (Sphingidae)
- 44 Spinner (Bombycidae)
- 128 Eulen (Notodontidae)
- 74 Spanner (Geometridae),
das sind insgesamt 254 Nachtschmetterlingsarten, beobachten und bestimmen.


Die verschiedenen Falterarten entdeckten wir, indem wir mit Taschenlampen die Vegetation ableuchteten und die nachts angestrahlten weißen Wände des Verwaltungsgebäudes absuchten. Mit dem Licht einer auch im UV-Bereich leuchtenden Mischlampe konnten wir weitere nachtaktive Arten auf ein ausgespanntes weißes Tuch locken. Auf Köderfang verzichteten wir. Durch den Lichtfang wurde keiner der Falter getötet, da wir die anfliegenden Arten nur fotografierten.

Die Ergebnisse und Artenanzahl wurden an das Badische Landesmuseum (Naturkunde) übermittelt, wo sie wissenschaftlich weiter bearbeitet werden. Alle von uns erfassten Schmetterlingsarten - die Tagfalter, Schwärmer, Spinner, Eulen und Spanner - vollständig im Bild darzustellen, ist in diesem Beitrag nicht möglich. Ihre Fülle wäre für den Umfang des vorliegenden "Blickpunktes" zu groß geworden. Wir beschränken uns aus diesem Grunde darauf, aus den verschiedenen Falterfamilien einzelne ausgewählte Arten vorzustellen.

Das Untersuchungsgebiet und die Auswahl der Arten


Das Gebiet des vorliegenden Beitrags, dessen Schmetterlingsfauna bearbeitet wurde, umfasst das Areal des ZAK mit rund hundert Hektar Fläche und dessen Außenrandgebiete. Begrenzt wird es im Osten von der Kahlenbergkuppe mit ihren Wäldchen und Halbtrockenrasen im Landschaftsschutzgebiet bis zur Kapelle, dem Limbachtal im Norden und den rekultivierten Flächen des Südareals. Als Untersuchungsgebiet hervorzuheben ist die innerhalb des ZAK-Areals liegende Fläche, die nach § 24 a des Naturschutzgesetzes als Biotop einen besonderen Schutzstatus hat.

Wegen der hohen Artenzahl selten gewordener hier lebender Bläulinge und Augenfalter ist diese aus der Sicht des Naturschutzes besonders wertvoll. Tagfalter erblickt der Wanderer bei Spaziergängen auf dem Weg zum Kahlenberg und innerhalb des ZAK-Areals immer wieder. Die am Tag versteckt sitzenden, unauffälligen Spinner, Eulen und Spanner sind für den ungeübten Naturbeobachter viel schwerer zu entdecken. Die Tagfalterarten sind in ihrer geringeren Artenzahl übersehbarer und auch leichter zu bestimmen als die bisher etwa 250 erfassten Nachtschmetterlingsarten.

Die Familien der Tagfalter Diurna


Die Tagfalter des Kahlenbergs umfassen zwei Gruppen:

a) Echte Tagfalter
1. Ritterfalter (Papilionidae)
2. Weißlinge (Pieridae)
3. Edelfalter (Nymphalidae)
4. Augenfalter (Satyridae)
5. Bläulinge (Lycaenidae)

b) Unechte Tagfalter
6. Dickkopffalter (Hesperiidae)

Kennzeichen der Tagfalter


Tagfalter haben einen schlanken Körper und einen kleinen Kopf. Ihre Fühlerenden sind mehr oder weniger keulenförmig verdickt. Nebenaugen fehlen ihnen, der Rüssel ist gut ausgebildet und lang. Ihre Vorder- und Hinterflügel sind nahezu gleich groß und oft lebhaft bunt. Die Vorderfüße sind häufig zurückgebildet: Es sind krallenlose, behaarte Füße, so genannte Putzpfoten. Die Raupen der Tagfalter haben acht Beinpaare. Manche Arten sind nackt, andere sind behaart oder tragen Dornen auf der Haut.

Ihre Gestalt ist sehr verschieden, sie kann walzen-, spindel- oder asselförmig sein. Tagfalterpuppen sind, von wenigen Ausnahmen abgesehen, nicht von einem Seidengespinst eingehüllt. Die erwachsenen Raupen hängen sich vor der Verpuppung entweder mit dem Kopf nach unten frei auf (Stürzpuppen) oder befestigen sich mit dem Kopf nach oben mit einem Gürtelfaden um die Körpermitte (Gürtelpuppen).

Ausgewählte Tagfalter des Kahlenbergs


Der Schwalbenschwanz (Papilio machaon) ist einer der größten Tagfalter Mitteleuropas. Wenn wir im April/Mai und Juli/August den Schwalbenschwanz fliegen sehen, freuen wir uns besonders, denn er zählt zu den herausragenden Schönheiten. Zwei rot gekernte Augenflecke und zwei schwanzartige Fortsätze schmücken seine Hinterflügel. Im Volksmund wird der Falter deshalb auch "Schwalbengabel" genannt. Die Wissenschaft gab dem Schwalbenschwanz den Artnamen des antiken Arztes Machaon.

Noch vor 30 Jahren flog sein nächster Verwandter, der Segelfalter (Iphiclides podalirius) über die Kuppen des Badbergs am Kaiserstuhl. Leider wurde er dort in den letzten Jahren aber nicht mehr beobachtet. In Teilen Südeuropas leben noch zwei weitere Arten dieser Gattung: der Korsische Schwalbenschwanz (Papilio hospiton) und der leuchtend gelbe Papilio alexanor, der unter anderem in der Provence und Sizilien vorkommt. Karl von Linné (1707-1778), der geniale Naturforscher und Begründer der bis heute angewandten wissenschaftlichen Benennung und Ordnung aller Tiere und Pflanzen, ordnete den Schwalbenschwanz zu den "Ritterfaltern" ein. So heißt diese Schmetterlingsfamilie bis heute.

In den Tropen übertreffen viele ihrer Arten den Schwalbenschwanz an Farbenpracht und Größe. Die bunten Raupen - sie sind schwarz und grün geringelt mit rotgelben Punkten - des Schwalbenschwanzes leben in Baden-Württemberg an über 20 Pflanzenarten, vor allem an Doldenblütlern. Diesem reichen Nahrungsangebot verdankt die Art ihr noch zahlreiches Vorkommen. Am Kahlenberg kann man auf den oberen Terrassen die Raupen auf Wilder Möhre und Stängeln des Berg-Haarstrangs fressend oder ruhend entdecken. Sie können auch in den Gärten der umliegenden Dörfer am von Insektengiften freien Grün der Gartenmöhre, an Dill- oder Fenchelkraut Nahrung finden.

Der barocke Schwung seiner Flügelränder und die zitronengelbe Färbung machen den Zitronenfalter unverwechselbar. Das Weibchen ist blasser gefärbt als das Männchen. Auf seinen fast weißen Flügeln liegt nur ein gelbgrünlicher Schimmer. Beide Geschlechter haben auf jedem Flügel einen kleinen gelbroten Mittelfleck. Der Zitronenfalter ist einer der ersten Frühlingsboten. Schon in den ersten Märztagen flattert er im Sonnenschein. Frei auf niedrigen Pflanzen sitzend, unter Falllaub oder in einer Erdmulde versteckt, hat der Falter den Winter starr unter Eis und Schnee überstanden. Das Weibchen legt die Eier einzeln an Knospen oder bereits entfaltete Blätter von Faulbaum und Kreuzdorn. Die grünen, an den Seiten weiß gestreiften Raupen verlassen im Juni den Futterstrauch, um sich an einem Pflanzenstängel zu verpuppen. Nach kurzer Ruhezeit schlüpft aus der Gürtelpuppe der Falter. In den Sommerwochen findet der Zitronenfalter überall Nahrung. Im Frühherbst sucht der im Sommer geschlüpfte Schmetterling einen Unterschlupf, in dem er in Kältestarre den Winter überdauern kann.

Der Baumweißling (Aporia crataegi) und der Große Kohlweißling sind die großen Arten unter den einheimischen Weißlingen. Die Raupen des Großen (Pieris brassicae) wie auch des Kleinen Kohlweißlings (Pieris rapae) können mit Insektengiften unbehandelte Kohlkulturen schädigen. Der Baumweißling bevorzugt dagegen die Blätter holziger Gewächse, beispielsweise von Schlehen, Weißdorn, Ebereschen, Kirschen, Birken und Obstbäumen. Die Falter sind oft mehrere Jahre lang nur selten zu sehen, dann treten sie in großer Zahl wieder auf. Wenn die Raupen des Baumweißlings plötzlich in Massen schlüpfen, können sie Obstbäume kahl fressen. Der erwachsene Baumweißling ist an den schwarz gezeichneten Flügeladern gut zu erkennen.

Der Weißklee-Gelbling (Colias hyale) fliegt in zwei Generationen Ende Juni und Anfang August auf den Terrassen der gemäß der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) als ökologisch besonders wertvoll ausgewiesenen Gebiete, auch auf Brachgelände. Er saugt gerne an Flockenblume, Luzerne, Weißklee und Hornklee.

Der Trauermantel ist einer der schönsten, aber auch der seltensten Tagfalter unseres Gebiets. Allerdings entdeckt man ihn dort nicht in jedem Jahr. Das Weibchen legt seine Eier an den Zweigen von Laubbäumen ab, nicht wie das Tagpfauenauge oder der Admiral an Brennnesseln. Im Kahlenberg-Gebiet gibt es für die Raupen als Futterpflanzen geeignete Birkenbestände, Espen und Salweiden. Daran kann man manchmal im Juli die erwachsenen Trauermantelraupen finden. Die schwarzen Insekten tragen rostrote Punkte auf dem Rücken. Ihre Haut ist nicht nackt, sondern weißlich behaart und trägt beidseitig schwarze Dornen auf jedem Segment des Körpers. Die aus Stürzpuppen schlüpfenden Falter fliegen im August und überwintern danach. Dafür suchen sie sich sichere Verstecke in hohlen Bäumen, in aufgeschichtetem Holz und unter Rindenschalen. Mit den ersten warmen Frühlingstagen beenden sie ihre Winterruhe. Die ursprünglich gelben Flügelränder bleichen in den Wintermonaten völlig aus. Mit viel Glück kann man dies selbst beobachten, wenn ein solcher Falter an frisch aufgeblühten Weidenkätzchen saugt.

Der wohl bekannteste und meist fotografierte Tagfalter ist das Tagpfauenauge. In Lokalzeitungen und auf Werbeprospekten wird es als Frühlingsbote gefeiert. Der Falter überwintert als erwachsenes Insekt in hohlen Bäumen, Holzhaufen, Steinhaufen und Felsspalten. Auch in Dachböden, Kellern und Wohnzimmern sucht er Unterschlupf. Mit den ersten warmen Februar-Sonnenstrahlen erwacht er noch mitten im Winter aus seiner Starre und flattert lichthungrig an Fensterscheiben und ins Freie. Die geöffneten Flügel des Tagpfauenauges leuchten in herrlichen Farben.

Die vier pfauenfederartigen Augenspiegel auf den samtartigen rotbraunen Flügeloberseiten gaben dem Insekt seinen Namen. Wahrscheinlich haben sie die Aufgabe, Fressfeinde abzuschrecken. Dagegen ähneln die beim ruhenden Falter nach oben geklappten Flügel mit ihrer dunklen Unterseite einem dürren Blatt der Brennnessel. Die Haut der erwachsenen Raupen des Tagpfauenauges ist mit weißen Pünktchen bedeckt und trägt Dornenreihen. Diese "stachelige" Körperoberfläche soll wie bei den Raupen des Kleinen Fuchses oder des Admirals einen Fraßschutz gegen Vögel bieten. Im Sommer und Herbst 2005 zeigten sich im Kahlenberg-Gebiet, wie überall in unserer Umgebung nur wenige der sonst häufigen Falter. Dies hängt mit der regnerisch-kühlen Frühlingswitterung zusammen, die die Raupen in ihrer Entwicklung an der Brennnessel beeinträchtigte. Die Futterpflanze von Tagpfauenauge, Kleinem Fuchs, C-Falter, Landkärtchen und Admiral wächst auch heute noch im Gegensatz zu anderen Pflanzen auf vielen Plätzen und Brachflächen.

Diesem Umstand verdanken wir, dass wir in Sommern mit günstigem Wetter noch viele der "Sommervögel", wie Schmetterlinge manchmal poetisch genannt werden, sehen können. Um den Tagfaltern diese wichtige Futterpflanze zu erhalten, sollten wir es unterlassen, die in unserem Garten meist unerwünschten Brennnesseln mit Spritzmitteln völlig zu beseitigen.

Der Kleine Fuchs ist wohl der einzige Tagfalter, der in ganz Europa vorkommt. Auch im Kahlenberg-Gebiet kann man ihn häufig entdecken. Er zählt wie der Zitronenfalter und das Tagpfauenauge zu den ersten Schmetterlingen, die im Frühling erscheinen. Die Raupen des Kleinen Fuchses sind schwarz gefärbt, tragen an beiden Körperseiten einen doppelten gelblichen Seitenstreifen und leben wie die Raupen des Tagpfauenauges gesellig an Brennnesseln. Die Fortpflanzung des Falters ist vom Vorkommen seiner Futterpflanze abhängig. Die Große Brennnessel heißt mit wissenschaftlichem Namen Urtica dioica, darauf bezieht sich der lateinische Name "urticae" des Falters.

Nach dem deutlich erkennbaren weißen "C" auf der Außenseite seiner Flügel erhielt der C-Falter seinen deutschen und den wissenschaftlichen Namen (Polygonia c-album). Die Raupe dieses Schmetterlings ist bizarr geformt und wie die des Kleinen Fuchses und des Tagpfauenauges mit Dornen besetzt. Die Raupen des C-Falters leben an Brennnesseln, Hasel und wildem Hopfen. Die hübsche Unterseite der Flügel des Landkärtchens gleicht einer topografischen Karte, davon leitet sich der deutsche Name des Falters ab. Der Schmetterling kommt in zwei Formen vor: einer gelb-orangefarbenen Frühjahrsform mit schwarzen Flecken und einer Sommerform mit schwarzer Grundfarbe und weißen Bändern. Das Weibchen hat ein für Schmetterlinge ungewöhnliches Verhalten: es klebt seine Eier zu kunstvollen "Türmen" übereinander an die Blattunterseite von Brennnesseln. Am Kahlenberg fliegen mehrere Arten von Perlmutterfaltern. Außer dem Kaisermantel, dem Großen Perlmutterfalter und dem Feurigen Perlmutterfalter kommt hier auch der Kleine Perlmutterfalter vor.

Unter diesen Arten ist der Kleine Perlmutterfalter der einzige Wanderfalter. Bei uns schlüpfen jährlich ein bis zwei Generationen dieses Schmetterlings. In manchen Jahren fliegen weitere Falter dieser Art aus dem Süden zu. Der Kleine Perlmutterfalter ruht gerne auf stark erwärmten Böden und sonnt sich dort. Häufig saugt er bei der Acker-Kratzdistel, der Flockenblume oder der Acker-Witwenblume Nektar. Auf der Unterseite der Hinterflügel fallen die perlmuttartig schillernden Flecken auf. Ihr starker Glanz wird von keinem anderen Perlmutterfalter übertroffen. Bei uns konnte man den Falter früher vorwiegend auf Stoppelfeldern beobachten, wo er oft seine Eier an Acker-Stiefmütterchen legte. Heute gehören die Flächen des Kahlenberg-Areals zu den wenigen Stellen in Baden-Württemberg, wo man den streng geschützten Falter noch sehen kann.

Das Damenbrett oder Schachbrett verdankt seinen Namen der schachbrettartigen schwarz-weißen Zeichnung auf der Oberseite der Flügel. Die Unterseite hat die selben Farben, sie sind jedoch anders angeordnet und blasser. Die Hinterflügel tragen auf der Unterseite mehrere augenförmige Flecke. Neben dem Ochsenauge und dem Kleinen Heufalter gehört das Damenbrett zu den noch häufig fliegenden Augenfaltern des Sommers. Noch vor wenigen Jahren fand man auf nahezu allen Wiesen unserer Region diesen hübschen Schmetterling. Durch starke Düngung ist diese Falterart aber an vielen Orten sehr zurückgegangen. Entlang des Wanderweges zum Kahlenberg im Landschaftsschutzgebiet und mit den Halbtrockenrasen des FFH-Gebiets gibt es noch ungedüngte Wiesen, die dem Falter das Überleben weiterhin ermöglichen. Wo mit Gülle gedüngt wurde, können sich diese und viele andere Schmetterlingsarten nicht mehr entwickeln.

Aus diesem Grunde müssen die Pflegemaßnahmen der Kahlenbergwiesen besonders beachtet und befolgt werden.
Die grünlichen, manchmal sandfarbenen Raupen des Schachbretts haben einige helle und dunkle Längsstreifen und sind kurz behaart. Ihre kleine Schwanzgabel ist für die Augenfalter kennzeichnend. Die Raupen fressen nachts an Gräsern wie Liesch- oder Honiggras und sind tagsüber auch an Seggen oder der Fiederzwenke ruhend zu finden.

Das Blaukernauge fliegt im Juli und August und ist der größte am Kahlenberg vorkommende Vertreter der Augenfalter. Zur Überraschung von Insektenkundlern hat sich diese Art, die in vielen ihrer früheren deutschen Siedlungsgebiete in den letzten Jahren im Bestand zurückgeht, im Bereich der durch § 24a des Naturschutzgesetzes besonders geschützten Flächen des Kahlenbergs ausgebreitet. Dieser Augenfalter war noch vor Jahren in Baden-Württemberg sehr selten und nur im Kaiserstuhl-Gebiet anzutreffen. In wenigen Jahren drang der Falter in unserem Gebiet weiter nach Norden bis zum Taubergießengebiet (G'schlederwiesen) und östlich davon bis in die Vorbergzone vor. Dort ist er im selben Lebensraum wie die Wespenspinne und die Gottesanbeterin anzutreffen. Eine Folge der Klimaveränderung?

Das lichte Wälder bewohnende Waldbrettspiel kann man an den Waldsäumen des Kahlenberg antreffen. Die Männchen dieses Schmetterlings sitzen häufig auf Blättern und vertreiben Konkurrenten aus ihrem Revier. Der Falter saugt nur selten an Blüten wie beispielsweise der Goldrute, sondern meist an feuchten Wegstellen, an Wundstellen von Obstbäumen oder auch an Fallobst. Die Raupe lebt an Gräsern.

Ein Geheimtipp für Schmetterlingsfreunde: die Bläulinge (Lycaenidae)


"Ohne Perlmutterfalter keine echte Sommerlandschaft. Ohne Bläulinge keine blühende Wiese. Diese kleinen Tagfalter sind die zarten Elfen der Gräser."
Friedrich Schnack in "Das Leben der Schmetterlinge"

Schon im Mai und Juni und noch bis in den Oktober hinein fliegen über ein Dutzend Arten aus dieser Tagfalterfamilie am Kahlenberg. Die Geschlechter sind bei den kleinen Schmetterlingen meist unterschiedlich gefärbt. Häufig ist die Flügeloberseite der Männchen bei einheimischen Arten leuchtend blau. Typisch für Bläulinge sind der schwarz-weiß geringelte Fühlerschaft und der feine, oft weiße Haarfransensaum der Flügel. Die asselähnlichen Raupen, die wegen ihrer guten Tarnung nicht einfach zu entdecken sind, ernähren sich von Blättern und Stängeln der Schmetterlingsblütler: vom Steinklee, der bunten Kronwicke, der Esparsette, dem Hornklee und der rosa blühenden Hauhechel. Alle aufgezählten Pflanzenarten wachsen in großer Zahl auf den Kahlenberg-Terrassen. Sie sind die Lieblingshabitate der kleinen Falter, in denen sie während der warmen Jahreszeit noch zahlreich fliegen. Die aus den Puppen geschlüpften Falter saugen oft den Nektar aus den blühenden Raupenfutterpflanzen, an denen man sie dann gut beobachten kann.

Der Kurzschwänzige Bläuling ist neben dem Großen Feuerfalter der wohl schönste Vertreter dieser Familie. Mit nur 1,3 Zentimeter Flügelspannweite ist er der kleinste am Kahlenberg lebende Bläuling. Er zählt zu den Seltenheiten der Oberrheinebene und ist wie der Große Feuerfalter streng geschützt. Die in China beheimatete Fliederspeer-Pflanze hat sich in wärmeren Teilen Europas besonders nach den Zerstörungen des letzten Krieges ausgebreitet. Zuvor war sie nur als Gartenpflanze bekannt. Der schöne Busch wird bis zu drei Meter hoch. Der Blütenstand besteht aus endständigen, bis zu 25 Zentimeter langen Rispen.

Die stark duftenden, rosa- bis lilafarbenen Blüten haben eine lange Kronröhre und blühen von Juli bis September. An den Böschungen des Kahlenbergs, selbst auf den angefahrenen Dogger-Halden der ehemaligen Erzbänke leuchtet der "Sommerflieder" heraus. Wahrscheinlich wurden die Pflanzen mit angefahrenem Gartenmüll in das Gelände gebracht. Der Fliederspeer-Strauch lockt viele Insekten an, insbesondere Schmetterlinge. Sie finden hier eine wichtige Nektarquelle vor. Für die Artenvielfalt unserer Schmetterlingsfauna spielt die Pflanze allerdings keine Rolle, da ihre Blätter von einheimischen Raupen nicht gefressen werden. Auf jedem Schulgelände sollten Buddleja-Büsche angepflanzt werden: Die saugenden, schönen Tagfalterarten wie Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Weißlinge oder Admiral sind dort oft zu Dutzenden vertreten und bieten wissbegierigen Schülern viel Freude an der Naturbeobachtung und Bestimmungsmöglichkeiten. Die im Kahlenberg- Areal wachsenden Fliederspeer- Sträucher erhalten besonderen Schutz und Pflege und bereiten mit ihrer Farbenpracht und als "Schmetterlingsmagneten" auch den Besuchern Freude.

Dickkopffalter (Hesperiidae)


Am Kahlenberg leben vier Arten aus dieser Schmetterlingsfamilie. Dickkopffalter flattern nicht in scheinbar ziellosem Gaukelflug von Blüte zu Blüte. Sie fliegen schnell mit schwirrenden Flügeln und sind daran gut zu erkennen. Der deutsche Name der mit den Echten Tagfaltern nahe verwandten Schmetterlinge ist gut gewählt: Fühler und Augen sitzen in relativ großem Abstand zueinander am Kopf, so dass dieser ziemlich breit erscheint. Auch wirken bei den Dickkopffaltern Brust- und Hinterleibsabschnitt im Vergleich zu den Flügeln massig. Zu den Raupen passt der Name ebenfalls, weil ihr Kopf weit deutlicher heraustritt als bei anderen Schmetterlingsfamilien. Der Gelbwürfelige Dickkopf (Carterocephalus palaemon) erscheint bereits im Frühjahr. Bei dieser Art überwintern die erwachsenen Raupen und verpuppen sich bald nach der Winterruhe. Der Ockergelbe Braundickkopf (Thymelicus sylvestris) fliegt im Juli relativ häufig. Er ist an den braunen Fühlerenden gut zu erkennen.

Veränderliches Widderchen (Zygaena ephialtes)


Die Raupe des Veränderlichen Widderchens lebt an der Bunten Kronwicke, der Falter saugt an der Wiesenflockenblume (Centaurea jacea). Die Futterpflanze der Raupe wächst im Kahlenberg-Gelände häufig. An seinem roten Hinterleibsring kann man den Falter sicher von ähnlichen Arten unterscheiden. Die farbigen Punkte heben sich bei den meisten Faltern dieser Art von dem schwarzen Untergrund der Vorderflügel leuchtend rot ab. Sie können bei manchen Tieren aber auch weißlich oder gelb beschuppt sein. Auf diese Besonderheit bezieht sich der deutsche Artname.

Häufiger als das Veränderliche Widderchen kommt bei uns das Sechsfleck-Widderchen (Zygaena filipendulae) vor. Man kann die ruhig und frei an Pflanzen sitzenden Falter im Juli und August oft finden. Vögel und Eidechsen fressen die erwachsenen Schmetterlinge und ihre Raupen nicht. Die auffallend schwarz-rote Musterung der Falter dient wie bei vielen anderen ungenießbaren oder giftigen Insekten als Warnfarbe und signalisiert Fressfeinden, es nicht auf eine Geschmacksprobe ankommen zu lassen. Auch die gelb und schwarz gezeichneten Raupen haben eine wirksame Warntracht. Sie leben an Hornklee. Der spindelförmige pergamentartige Kokon der Art ist auffallend zweifarbig. Der obere Teil ist dunkler gelb gefärbt. Diese etwa halbseitige Färbung entsteht durch die Kokonbauweise der Raupe.

Schwärmer (Sphingidae)


Schwärmer gehören zu den größten Schmetterlingen der Welt. Sie sind in etwa eintausendzweihundert, überwiegend in den Tropen lebenden Arten bekannt. In Mitteleuropa gibt es nur rund 30 Arten, am Kahlenberg konnten im Laufe der letzten zehn Jahre 13 davon beobachtet werden. Eine Sonderstellung unter den Schwärmern nehmen Arten ein, die verkümmerte Mundwerkzeuge haben und deshalb keine oder nur wenig Nahrung aufnehmen können. Diese haben einen zottig behaarten Körper und mehr oder weniger ausgeschnittene Flügelränder.

Beim Abendpfauenauge und Pappelschwärmer sind die Flügel in Ruhe in einer Ebene ausgebreitet. Bei anderen Arten wie dem Winden- und dem Kiefernschwärmer werden die Flügel in der Ruhe dachartig am Rumpf angelegt. Besondere Kennzeichen der Schwärmer sind ihr spindelförmiger Körper und die kräftigen, spitz zulaufenden Vorderflügel. Die Hinterflügel sind wesentlich kleiner. Die Vorderflügel haben meist dunkle, unauffällige Farben, dagegen sind die Hinterflügel häufig leuchtend bunt gezeichnet. Auf Baumrinde oder Mauerwerk ruhende Schwärmer sind wegen ihrer Tarntracht kaum zu erkennen. Werden sie berührt oder anders gestört, klappen sie blitzschnell die Flügel auf und erschrecken ihre Feinde durch eine Warntracht: ein bekanntes Beispiel dafür sind die bunten Augen auf den Hinterflügeln des Abendpfauenauges. Zögert der davon überraschte Angreifer, gewinnt der Falter Zeit, um zu fliehen. Neben den erwachsenen Schmetterlingen fallen auch die Schwärmerraupen durch ihre beachtliche Größe, die oft auffällige Zeichnung und ihr "Analhorn", ein hornartiges Anhängsel am Körperende, auf. Der französische Naturforscher Reaumur gab der größten bei uns heimischen Schwärmerart, dem Ligusterschwärmer, den Namen "Sphinx ligustri". Die Abwehrhaltung seiner Raupe bewog den Gelehrten dazu, das Insekt mit der vor der ägyptischen Chefren-Pyramide liegenden Sphinx zu vergleichen: wird das Tier gestört, reckt es seinen Vorderkörper weit nach oben und ähnelt dann der berühmten Löwenfigur mit dem aufgerichteten Menschenkopf. Diese Haltung kennt man auch als Ruhestellung von anderen Schwärmerarten.

Unser größter und geheimnisvollster Falter ist der Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos), ein Wanderfalter aus Afrika.
Er fliegt über die Alpen bis nach Mittel- und Nordeuropa, gerne an großen Strömen entlang. Eine Begegnung mit dem Totenkopf steht bei vielen Menschen stark unter dem Eindruck des Geheimnisvollen und Rätselhaften der Natur. Auf der Oberseite der Brust hat er eine helle, totenkopfähnliche Zeichnung, die sich deutlich sichtbar von den düsteren, schwarzbraunen Vorderflügeln abhebt. Seine stark leuchtenden, gelben Hinterflügel haben zwei schwarze Seitenstreifen. Beim ruhenden Falter sind sie nicht sichtbar. Wird der Totenkopfschwärmer berührt, stößt er durch seinen Rüssel Luft aus: der entstehende klagende Ton klingt ähnlich wie das Piepsen einer Maus. Ebenso überrascht ist man, wenn seine gereizte Raupe knisternde Geräusche oder die Puppe zur Abwehr deutliche Pfeiftöne erzeugt!

Blüten besucht dieser Schwärmer nicht, denn sein Rüssel ist zum Nektar saugen zu kurz und zu dick. Er schlürft an Baumsäften und dringt als Honigräuber in Bienenstöcke ein. Oft bleibt er von den Bienen unbehelligt, aber Imker haben ihn dort auch schon mumifiziert gefunden. In Mitteleuropa kann sich der Totenkopfschwärmer nicht dauerhaft fortpflanzen. Sein eigentliches Verbreitungsgebiet ist Afrika und Südeuropa. An Kartoffelstauden, anderen Nachtschattengewächsen und weiteren Futterpflanzen legt er seine Eier ab. Die bis zu 14 Zentimeter langen, prächtig gefärbten Raupen entwickeln sich noch im gleichen Jahr und verpuppen sich im September. Aus der braunen Puppe schlüpft manchmal noch im Herbst der Falter. Beim ersten Nachtfrost geht er aber zugrunde, ohne für Nachkommen gesorgt zu haben - die zuvor abgelegten Eier sind unfruchtbar. Auch die Puppen, in denen sich noch Falter entwickeln, überstehen unseren kalten Winter nicht. In den Achtzigerjahren fanden Bauern und Schüler auf Kartoffelfeldern, besonders auf Ackergebieten um Ringsheim, Rheinhausen, Bleichheim und Broggingen, viele Raupen, Puppen und Falter des Totenkopfschwärmers. Der bei Insektenfreunden beliebte Schmetterling wurde in den letzten Jahren bei uns aber nicht mehr gesehen. Möglicherweise spielen beim Ausbleiben eines der schönsten Nachtfalter unserer Heimat ähnliche Gründe eine Rolle wie bei anderen Pflanzen und Tieren, die durch "Kulturmaßnahmen" und Klimaveränderungen verloren gegangen sind: Die oft als Futterpflanze genutzten Kartoffeln werden in unserem Heimatbereich im Gegensatz zu früher kaum noch angepflanzt. Die noch verbliebenen Kartoffeläcker werden maschinell abgeerntet. Dabei werden die Puppen vernichtet, die sich im Boden entwickeln. Zum Einflug über die Alpen zu uns braucht der Falter warme Mainächte. Diese blieben jedoch in den letzten Jahren aus, wie die aktuellen Einflugsmeldungen zeigen.

Die Lebensweise des Windenschwärmers (Agrius convolvuli) ist der des Totenkopfschwärmers sehr ähnlich. Er ist aber weniger anspruchsvoll in Bezug auf Wärme, so dass sich bis zum Herbst mehr erwachsene Falter entwickeln können. Die großen Falter können tagsüber an Hauswänden und Baumstämmen ruhend beobachtet werden, während sie nachts beleuchtete Schaufenster und Lampen anfliegen. Windenschwärmer besitzen einen ungewöhnlich langen Rüssel. Er kann bis über zehn Zentimeter Länge erreichen, was den Insekten den Namen "Elefantenrüssel" einbrachte. Ihr Rüssel ermöglicht es den Schmetterlingen, Nektar aus den tiefen Röhrenblüten des Tabaks oder der Petunie zu saugen. An den großen Beständen des Seifenkrautes und des Weidenröschens an Böschungen des Kahlenbergs wurde er schon oft entdeckt.

Der Ligusterschwärmer (Sphinx ligustri) ähnelt mit einer Flügelspannweite von zehn bis zwölf Zentimetern und der graubraunen Färbung seiner Vorderflügel dem Windenschwärmer. Der abgebildete Falter hat eine Lichtquelle angeflogen und zeigt noch seine offenen Hinterflügel. Das leuchtende Rot des Rumpfs mit den zwei breiten Bändern unterscheidet ihn deutlich vom Windenschwärmer. Ligusterschwärmer sind ausgezeichnete Flieger. Die Falter kann man von Mai bis Juli finden. Wie der Artname vermuten lässt, leben die Raupen an Liguster, aber auch an Flieder oder Esche.
Die Vorderflügel des Abendpfauenauges (Smerinthus ocellata) sind vier bis 4,5 Zentimeter lang. Ein am Stamm eines Baumes ruhendes Abendpfauenauge könnte man leicht mit einem welken, zufällig hängen gebliebenen Blatt verwechseln. In Ruhe hält der Falter seine Vorderflügel waagerecht und deckt damit die Hinterflügel zu. Wird er gestört, dann öffnet er blitzartig die Vorderflügel und zeigt die "Augen", die auf beiden Hinterflügeln liegen. Mit Auf- und Ab-Bewegungen des Körpers, die des Eindruck eines sich bewegenden Kopfes vortäuschen, verstärkt der Falter die Schreckwirkung. Nur wenige Menschen bekommen das Abendpfauenauge zu sehen, da es sich tagsüber gut versteckt hält und nur in der Nacht fliegt. Seine Flugzeit ist von Mai bis Juli, in günstigen Jahren entwickelt sich eine zweite unvollständige Generation von August bis Oktober. In Ringsheim kann man die Raupen des Abendpfauenauges an Pappeln und Purpurweide finden.
Von Mai bis August ist der Pappelschwärmer (Laothoe populi) neben dem Abendpfauenauge der häufigste bei uns heimische Vertreter dieser Schmetterlingsfamilie. Sein Flügelschnitt ist noch bizarrer und täuscht in Ruhestellung übereinander liegende welke Blätter vor. Die Vorderflügel haben jeweils einen deutlichen weißen Punkt. Die Hinterflügel tragen einen orangefarbenen bis rotbraunen Fleck. In Ruhe überragen sie die Vorderflügel. Die Falter nehmen keine Nahrung auf. Ihr Saugrüssel ist verkümmert, die erwachsenen Schmetterlinge leben von eigener Körpersubstanz, die sie in der Raupenzeit aufgebaut haben. Bis in den Oktober hinein können die Raupen des Pappelschwärmers an Weiden, Pappeln und Espen gefunden werden. Zur Verpuppung graben sie sich in den weichen Boden in der Nähe ihrer Futterpflanze ein, wo sie überwintern.


Der Mittlere Weinschwärmer (Deilephila elpenor) ist an Flügeln und Rumpf prächtig weinrot und olivgrün gefärbt. Seine Vorderflügel sind bis zu 3,5 Zentimeter lang. Er ist ein ausgezeichneter Flieger, der mit seinem langen Rüssel den Nektar aus Röhrenblüten saugt. In Sommernächten kann man den schnellen "Schnurrer" ab der Dämmerung an Phlox oder im Kahlenberg-Bereich besonders an Seifenkraut bei seinen Flugkünsten beobachten. Im Gegensatz zum hübschen Falter gefällt die Raupe des Mittleren Weinschwärmers vielen Menschen weniger, obwohl sie völlig harmlos ist. Wird sie gestört, zieht die Raupe den Kopf ein. Dadurch schwellen die vorderen Körpersegmente mit den auffälligen Augenflecken auf den Brustsegmenten an und das Insekt ähnelt einer kleinen "Brillenschlange".

Der Kleine Weinschwärmer ist deutlich kleiner als der Mittlere Weinschwärmer. Seine Vorderflügel erreichen nur eine Länge von bis zu 2,5 Zentimetern. Bei beiden Weinschwärmer-Arten ähneln sich aber sowohl die Flügelzeichnung des Falters als auch das Aussehen und Verhalten der Raupen. Das "Analhorn" am Körperende der Raupe ist beim Kleinen Weinschwärmer verkümmert. Seine Raupe lebt an Labkrautarten. Die besonders großen Augen des Falters zeichnen den Kleinen Weinschwärmer als Dämmerungstier aus. Sein Rumpf ist im Vergleich zum Mittleren Weinschwärmer plumper, darauf nimmt der wissenschaftliche Name "porcellus" (lateinisch: Schweinchen) Bezug.

Das Taubenschwänzchen (Macroglossum stellatarum) ist ein so ausgeprägter Wanderfalter, dass es schwierig ist, die Grenzen seines Dauervorkommens festzulegen. In unserer Region konnte man mehrmals Überwinterungen beobachten. Dieser kleine Schwärmer ist am Tag aktiv. Er gehört zu den schnellsten Fliegern unter den Insekten. Im Schwirrflug kann er vor einer Blüte auf einer Stelle stehen und dabei mit seinem langen Rüssel Nektar saugen. Viele Beobachter halten den kleinen Schwärmer deshalb für einen Kolibri. Besonders auffällig sind die flachen, ausgebreiteten Haare und Schuppen am Rumpfende. Sie dienen beim schnellen Flug der Stabilisierung. Das Taubenschwänzchen besucht in warmen Sommern den Kahlenberg, wo es mit Buddleja, Phlox, Seifenkraut, Natternkopf und anderen Nektarspendern ein großes Blütenangebot vorfindet. Die Raupen leben an Labkrautarten.

Der Hummelschwärmer (Hemaris fuciformis) ist wie das Taubenschwänzchen ein schneller Flugkünstler und Wanderfalter. Bei seinem Vorkommen und seiner Ausbreitung spielt die Temperatur eine große Rolle. In warmen Sommern tauchen Hummelschwärmer in zahlreichen Gebieten - bei uns sogar im Bergland - auf. Ist die warme Jahreszeit verregnet, bleiben sie auf einige Wärmeinseln Mitteleuropas beschränkt. Der Hummelschwärmer nimmt im Flug Nektar aus einer Natternkopfblüte auf. Mit den durchsichtigen Vorderflügeln, dem kurzen dicken Rumpf und der gelb-braunen Färbung ähnelt dieser Falter einer Hummel, was ihm seinen deutschen Namen einbrachte. Auch mit seiner Lebensweise, an den heißen Mittagsstunden aus Blüten Nektar zu saugen, gleicht er eher den Hummeln als den meisten Mitgliedern seiner Schmetterlingsfamilie. Im Unterschied zu den wild lebenden Verwandten der Honigbiene ist der Falter aber harmlos und hat keinen Stachel.

Die Spinner und andere Nachtfalter am Kahlenberg


Außer den Spannern, Eulen und Schwärmern leben im Kahlenbergareal Nachtschmetterlinge aus mindestens fünf weiteren Familien, die früher häufig unter dem Begriff "Spinner" zusammengefasst wurden. Einige der bei uns heimischen Bärenspinner, Zahnspinner, Glucken, Pfauenspinner und Schadspinner sollen hier näher vorgestellt werden.

Familie Arctiidae - Bärenspinner


Die erwachsenen Bärenspinner zählen zu den farbenprächtigsten heimischen Nachtfaltern. Viele von ihnen sind tagaktiv. Die bunte Zeichnung dieser Schmetterlinge, in der häufig die Warnfarben gelb, schwarz oder rot vorkommen, signalisiert möglichen Fressfeinden, dass die Falter ungenießbar oder giftig sind. Die Fühler der männlichen Falter sind leicht gekämmt. Die Weibchen haben glatte Antennen und einen deutlich dickeren Hinterleib als die Männchen. Die Weibchen legen ihre runden, glänzenden Eier in Gruppen oder ein- bis mehrschichtigen Gelegen ab. Die Raupen dieser Falter tragen oft dichte und lange Haare, die Fressfeinde abwehren sollen. Die Bärenspinner-Puppen sind bräunlich bis schwarz. Die Raupen ernähren sich häufig von Giftpflanzen, die ihnen jedoch nicht schaden. Die Raupen, Puppen und Falter werden durch die giftige Kost dann selbst giftig und ungenießbar. Die Raupen mancher Arten hüllen sich vor der Verpuppung in dichte Seidengespinste ein.

Der Braune Bär ist zweifellos die bekannteste und farbenprächtigste Bärenspinnerart. Trotz seiner auffallenden bunten Zeichnung wird er selten gesehen, weil er sich tagsüber in der Vegetation versteckt und erst gegen Mitternacht fliegt. Im Gegensatz zum männlichen Falter hat das Weibchen keine gekämmten Fühler aber einen sehr dicken Hinterleib. Die Zeichnung der Falter ist bei dieser Art veränderlich, so dass immer wieder Tiere mit abweichenden Musterungen auftreten. Jedes einzelne Individuum kann an den Vorder- und Hinterflügeln andere Punkte und Linien aufweisen. Die Falter des Braunen Bären haben verkümmerte Mundwerkzeuge, so dass sie als erwachsene Insekten keine Nahrung aufnehmen. Daher sind sie nie an einer Nektar spendenden Futterpflanze zu finden. Die Bärenspinner verdanken ihren Namen den Raupen. Die auf der Suche nach einem passenden Verpuppungsplatz oft zügig über den Boden laufenden, dunkel behaarten Tiere sind den meisten von uns schon begegnet. Ihr dichter, langer Pelz soll Fressfeinde abschrecken. Unser Kuckuck ist allerdings dafür bekannt, dass ihm - im Gegensatz zu anderen Vogelarten - auch die borstigen Raupen der Bärenspinner schmecken. Die Raupe des Braunen Bären ist nicht wählerisch bei der Nahrungsaufnahme: sie frisst an Löwenzahn, Himbeeren, Brombeeren, Geißblatt und weiteren Pflanzen. Man findet sie von Juli bis August in einer Generation. Bei Störungen lässt sie sich fallen, rollt sich zusammen und stellt sich tot.

Wie der Braune Bär gehört auch der Russische Bär (Euplagia quadripunctaria) zu den besonders farbenprächtigen Schmetterlingen. Man kann diesen Falter aber im Juli und August eher entdecken als den Braunen Bären, weil er am Tage aktiv ist und seine roten Hinterflügel beim unruhigem Flug aufleuchten. Mit Vorliebe besucht er im Kahlenberggelände an Wald- und Wegrändern die Blüten des Wasserdosts (Eupatorium). Im Gegensatz zum Braunen Bären besitzt er einen voll entwickelten Rüssel zur Nektaraufnahme. Die auffallenden Farben und Muster dienen wie bei anderen bunten Bärenfaltern als Warntracht, die den Fressfeinden ihre Ungenießbarkeit oder Giftigkeit signalisieren. Bärenspinner besitzen Nackendrüsen, aus denen sie bei Störung ein öliges Sekret ausscheiden, das manchen Angreifern wie Vögeln oder Eidechsen den Appetit verdirbt.

Breitflügeliger Fleckleibbär (Spilosoma lubricipeda)


Nicht alle Bärenspinner sind auffällig bunt. Die Flügel des Punktierten Fleckleibbären sind schlicht weiß mit verstreuten schwarzen Punkten. Auch er ist für Vögel ungenießbar und giftig. Die Warntracht des Falters wird erst sichtbar, wenn er gestört wird. Bei Berührung nimmt das Insekt eine Schreckhaltung ein, bei der die gelbe, von schwarzen Flecken gesäumte Zeichnung des Hinterleibs auffällig hervortritt.

Familie Zahnspinner (Notodontidae)


Zahnspinner kommen in mehreren tausend Arten in allen Erdteilen vor. Bei vielen Arten haben die Vorderflügel der Falter am hinteren Rand einen zahnförmigen Fortsatz. Die Schmetterlinge ruhen tagsüber mit dachförmig zusammengelegten Flügeln an Baumstämmen oder Ästen und ähneln in Färbung und Gestalt der Rinde. Alle Arten sind nachtaktiv und verbergen sich am Tage. Sie besuchen keine Blüten.

Gabelschwänze am Kahlenberg


Der Fund einer Gabelschwanzraupe oder der Anflug eines Gabelschwanzspinners am Licht freut den Insektenfreund ganz besonders.
Diese inzwischen in unserer Region immer seltener beobachtete Falterschönheit verdankt ihr Überleben den geeigneten Biotopen des Kahlenbergareals: die nach §24a des Naturschutzgesetzes besonders geschützten Terrassen mit den dazwischen liegenden Böschungen und Steinhalden bieten diesen Tieren den passenden Lebensraum. Hier wachsen Pappel- und Weidenarten wie die Sal- und die Purpurweide. Besonders die auch Zitterpappel genannte Espe gedeiht an vielen Stellen noch häufig und wird von den Helfern bei der Pflege der Flächen geduldet.

Wegen ihres geringen Wirtschaftswerts sind die Espen aus den umliegenden Wäldern nahezu verschwunden. Auch die Wegränder, Böschungen und Hohlwege werden von Aufwuchs frei gehalten. Gerade aber die Espe ist die Pflanze, von der sich die Raupen des Gabelschwanzes und einiger selten gewordener Tagfalter ernähren.

Von den in Baden-Württemberg lebenden Gabelschwänzen kommen im Gebiet des Kahlenbergs vier Arten vor:
- Großer Gabelschwanz
- Weißer Gabelschwanz
- Kleiner Gabelschwanz
- Buchen-Gabelschwanz

Der Große Gabelschwanz (Cerura vinula) ist mit seinen bis zu vier Zentimeter langen Vorderflügeln ein großer Falter. Seine Flügel sind schwarz-weiß gezeichnet und auf dem inneren Teil dicht, außen dagegen dünn beschuppt. Der nachtaktive Falter fliegt von Ende April bis Anfang Juli. Die Raupe kann man von Juni bis September an kleinen Espenzweigen, an Weiden und Pappeln entdecken. Sie hat in ausgewachsenem Zustand leuchtend grüne Seiten und auf dem Rücken einen weiß gesäumten, grau-braunen, manchmal violett gefärbten Sattelfleck. Deutlich heben sich die weißen, schwarz umrandeten Atemöffnungen ab. Am Körperende der Raupe befindet sich eine Schwanzgabel, deren Spitzen hohl sind. Wird die Raupe gereizt, nimmt sie eine Schreckstellung ein. Wie in eine Kapuze zieht sie ihren Kopf in den ersten Brustring ein und verharrt starr mit erhobenem Vorder- und Hinterende. In dieser Schreckhaltung ragt über den Kopf ein Höcker. Die eingezogenen Kopf- und Mundteile lassen einen grell roten Ring mit zwei schwarzen Scheinaugen hervortreten und täuschen dem Betrachter ein Fratzengesicht vor. Aus der Spitze der Schwanzgabel züngeln dann bewegliche rote Schläuche. Zudem kann die Raupe aus einer Drüse im ersten Brustring einen ameisensäurehaltigen Flüssigkeitstropfen bis zu 30 Zentimeter weit einem Störenfried entgegenspritzen. Die verpuppungsreife, bis über sieben Zentimeter lange Raupe verfärbt sich rot. Mit ihren starken Mundwerkzeugen nagt sie Holz- oder Rindenstücke ab und verspinnt sie mit ihrer Raupenseide zu einem festen Kokon. Die Raupen werden trotz ihrer Tarn- und Schrecktrachten von Schlupfwespen oft entdeckt. Diese parasitischen Insekten legen ihre Eier im oder am Körper der Raupe ab und ihre Larven ernähren sich vom Körpergewebe des Wirts. Wenn die Entwicklung der Wespenlarven abgeschlossen ist, stirbt die Raupe und kann sich nicht mehr zum Falter entwickeln.

Der Hermelin-Spinner oder auch Weißer Gabelschwanz (Cerura erminea) genannt ist deutlich seltener als sein größerer Verwandter. Der Weiße wie der Große Gabelschwanz werden auf der Roten Liste der bedrohten oder gefährdeten Tierarten Deutschlands geführt und stehen unter dem besonderen Schutz der Bundesartenschutzverordnung. Der Falter des Weißen Gabelschwanzes ist mit einer Flügellänge von rund drei Zentimeter etwas kleiner als der Große Gabelschwanz. Seine Grundfarbe ist ein reines Weiß. Am Kopf und Brustteil ist es mit schwarzen Punkten durchsetzt. Der Hinterleib ist auf der Unterseite rein weiß. Eine dritte verwandte Art ist der Kleine Gabelschwanz (Furcula bifida). Diese Art ist mit einer Flügellänge von rund zwei Zentimetern der kleinste am Kahlenberg lebende Gabelschwanz.

Schadspinner (Lymantriidae)


Die Falter dieser Schmetterlingsfamilie werden Schadspinner genannt, weil einige ihrer Arten bei Massenvermehrungen zu Forst- und Obstbaumschädlingen werden können. Die Falter sind klein bis mittelgroß und meist unscheinbar gefärbt. Ihr Saugrüssel ist zurückgebildet, die Geschlechter sind äußerlich verschieden und an den Fühlern gut zu unterscheiden. Die Männchen besitzen gefiederte Antennen, mit denen sie die Weibchen am Duft der von den Partnerinnen ausgeströmten Sexuallockstoffe finden können. Bei einigen Arten wie dem Schwammspinner sind die Weibchen größer als die Männchen. Die Raupen des Buchen-Streckfußes und weiterer Arten sind sehr attraktiv. Der Einsatz chemischer Gifte oder Häutungshemmer gegen schädliche Insektenarten sollte wegen der zahlreichen unerwünschten Nebenwirkungen kritisch überdacht werden. Der langfristig bessere Weg wäre der Ersatz von Monokulturen durch Mischkulturen verschiedener Baumarten.

Tagsüber ruhen die Falter des Buchen-Streckfußes mit einem nach vorne gestreckten Beinpaar an Baumstämmen; darauf bezieht sich der deutsche Name. Bei Massenauftreten kann der Streckfuß große Waldschäden anrichten. Die Raupe lebt im Kronenbereich von Bäumen, auch an unteren Zweigen und an Sträuchern. In den Jahren 1952 bis 1954 sowie 1957 wurden besonders aus dem Spessart-Gebiet wegen der Streckfuß-Raupen große Waldschäden gemeldet. In Baden-Württemberg wurde die hinsichtlich ihrer Nahrungspflanzen wenig wählerische Raupe bis heute an 24 Laubbaumarten gefunden (Ebert 1994).

Familie Lasiocampidae-Glucken


Der deutsche Familienname der Glucken bezieht sich auf die Sitzhaltung der Falter. Sie ruhen mit dachziegelartig übereinander geschlagenen Flügeln und erinnern dabei an brütende Hennen, an Glucken. Bei diesen Nachtschmetterlingen ist der Kopf schnabelartig verlängert, die Vorderflügel sind dachartig um den dicken Leib der Tiere geschlagen. Unter den Vorderflügeln schauen die Hinterflügel etwas hervor. Wie bei vielen Insekten sind die Weibchen oft deutlich größer als die Männchen und von plumperer Gestalt. Auch die Flügel der weiblichen Tiere sind meist breiter als die der Männchen. Die Fühler der Männchen sind zweireihig gekämmt oder gefiedert, die Antennen der Weibchen sind kürzer und nur schwach gefiedert. Die Körper dieser Schmetterlinge sind wollig behaart.

Die meisten Gluckenarten sind nachtaktiv, einige Arten wie der Eichen- oder der Brombeerspinner fliegen am späten Nachmittag auf die Suche nach unbegatteten Weibchen. Alle Arten dieser Familie verpuppen sich in dichten Gespinsten. Das Weibchen der Grasglucke (Euthrix potatoria) ist etwas größer als das männliche Tier. Die Form und der Schnitt der 2,8 bis vier Zentimeter langen Flügel ist ebenfalls typisch für diese Falterfamilie. Erkennbar ist der auch "Trinkerin" genannte Falter an den beiden weißen Punkten auf der Oberseite der Vorderflügel. Deutlich häufiger als den Falter kann der Naturfreund die Raupen der Trinkerin finden.
Sie kriechen oft an Halmen von Schilfrohr und Rohrglanzgras oder auch an den Halmen von Süßgräsern nach oben, um dort junge Spitzentriebe zu fressen. Die Raupen haben einen ungewöhnlich hohen Wasserbedarf, darauf bezieht sich der Name. Die Bestände dieser Art sind in den letzten Jahren rückläufig, weil immer mehr Feuchtgebiete trockengelegt werden. Die Kleine Pappelglucke (Poecilocampa populi) zählt wie die Trinkerin zur Familie der Glucken. Erst gegen Ende des Jahres schlüpft der Schmetterling aus seiner Puppe, die in einem Gespinst unter Erde und Sand versteckt ist. Nach den ersten Nachtfrösten kann man den Falter am Kahlenberg am frühen Morgen an den Wänden des Verwaltungsgebäudes sitzend entdecken, wo er nachts vom Licht angelockt wird. Das Weibchen ist größer als das Männchen. Die Raupen leben an alten Apfel-, Pflaumen- und Kirschbäumen, auch an Eichen.

Die Geschlechter unterscheiden sich beim erwachsenen Eichenspinner (Lasiocampa quercus) deutlich. Das Männchen ist meist dunkelbraun mit einem gelbem Band über beiden Flügeln. Das Weibchen ist größer und heller, hat aber ebenfalls gelbe Flügelbänder. In der Mitte der Vorderflügel liegt je ein großer weißer, schwarz umrandeter Punkt. Die Raupe des Eichenspinners lebt an verschiedenen Pappel- und Weidenarten, an Schwarzerle, Brombeer- und Himbeerhecken, an Schlehe und weiteren Pflanzen. Die erwachsene Raupe wird rund sechs Zentimeter lang. Sie ist zwischen den schwarzen Brust- und Hinterleibsringen dicht hellbraun behaart. An den Seiten ist sie weiß gezeichnet. Die Raupe spinnt einen tönnchenförmigen abgerundeten Kokon, in dem sie sich verpuppt.

Eulenspinner (Thyatiridae) und Sichelflügler (Drepanidae)


Das Bestimmen von Eulen und Spannern ist wegen ihrer immensen Artenzahl nicht einfach. Außerdem gibt es auch am Kahlenberg Schmetterlinge, die diesen Insekten zwar ähnlich sehen, aber anderen Falterfamilien angehören. Zu den Arten, die häufig mit Eulen verwechselt werden, gehören die Eulenspinner, die manchmal auch als Wollrückenspinner bezeichnet werden. Sie werden von den Fachleuten in eine eigene Familie eingeordnet, weil sie sich von den Eulen in wichtigen körperlichen Merkmalen unterscheiden. So zeigen der Verlauf der Flügeladern und die Lage ihrer Gehörorgane, dass weder die Eulenspinner mit den Eulen, noch die Sichelflügler mit den oft ähnlichen Spannern eng verwandt sind. In diesen Merkmalen stimmen die Eulenspinner und Sichelflügler jedoch überein und gelten daher als nahe verwandte Schmetterlingsfamilien.

Roseneule (Thyatira batis)


Die Rosen- und die Achateule zählen zweifellos zu den schönsten Eulenspinnern. Die Roseneule hat auf der Oberseite ihrer Vorderflügel weiß eingefasste rosa Flecken auf einem dunkelgrauem Untergrund. Die Falter fliegen im Mai bis Juni. Die Weibchen legen die Eier am Rand von Himbeer- und Brombeerblättern ab.

Achateule (Habrosyne pyritoides)


Der Name Achateule bezieht sich auf die Zeichnung auf der Oberseite der Vorderflügel dieses Nachtfalters. Sie erinnert an ein Stück Marmor oder einen geschliffenen Achat. Diese Maserung und Färbung ist unter den europäischen Faltern einmalig. Der ruhende Schmetterling hält seine Vorderflügel dachförmig. Dabei tritt das einfarbig graue bis braune Dreieck auf der Innenseite der Vorderflügel deutlich hervor. Der Falter fliegt von Mai bis Anfang August in nur in einer Generation. Die Weibchen legen die Eier auf der Unterseite von Brombeer- und Himbeerblättern ab.

Sichelflügler (Drepanidae)


Die Familie erhielt ihren Namen nach der bei den meisten Arten sichelförmig ausgebildeten Vorderflügelspitze. Von den in Baden- Württemberg lebenden sieben Arten kommen am Kahlenberg drei vor. Die Sichelflügler haben nur sehr kurze Rüssel. Sie ernähren sich von Honigtau - einem von Pflanzenläusen ausgeschiedenene zuckerhaltigen Sekret - und anderen Flüssigkeitströpfchen.

Heller Sichelflügler (Drepana falcataria)


Unter den Sichelflüglern am Kahlenberg ist diese Art am häufigsten. Seine Raupe ernährt sich von Birken- und Schwarzerlenblättern. Von den ähnlichen Spannern unterscheiden sich die Falter durch die sichelförmig nach hinten gebogenen Spitzen der Vorderflügel.

Der Mondvogel (Phalera bucephala) ist im Kahlenberg-Gelände relativ häufig. Der Falter lebt versteckt, fliegt aber oft Lichtquellen an und verrät so seine Anwesenheit. Er ist silbrig gefärbt und hat große, mondförmige gelbe Flecken an den Flügelspitzen. Seine Flügelspannweite beträgt etwa vier bis fünf Zentimeter. Ruhende Mondvögel sehen einem abgebrochenen Zweigstück täuschend ähnlich. Nur einige Arten der Zahnspinner, zu denen auch der Mondvogel gehört, haben behaarte Raupen. Die gelb-schwarzen Raupen des Mondvogels leben bis zur vorletzten Häutung gesellig. Die Jungraupen eines Geleges sitzen zunächst dicht gedrängt an der Unterseite eines Blattes, später verteilen sie sich über den Zweig. Am Kahlenberg fressen sie vor allem an Salweide, Linde und Pappel.

Mit seinen etwa drei Zentimeter langen Vorderflügeln ist der Buchen-Zahnspinner (Stauropus fagi) ein großer Falter. Man erkennt den in Ruhehaltung gut getarnten Schmetterling an der schwarzen Reihe von Punkten auf der Außenseite der Vorderflügel. Die ersten Falter fliegen Anfang Mai, einzelne Falter auch noch im August. Wesentlich attraktiver für Naturfotografen als der Falter ist beim Buchen-Zahnspinner die Raupe, die an Rotbuche, Salweide und Eiche lebt. Die erwachsene Raupe ist kastanienbraun und wird etwa sechs Zentimeter lang. Der abgeflachte, verbreitete Hinterleib endet in zwei keulenförmigen Spitzen. Wird sie erschreckt, spreizt die Raupe Kopf- und Hinterteil nach oben und ähnelt dann einer exotischen Heuschrecke.

Pfauenspinner (Saturniidae)


Die Heimat der Pfauenspinner liegt in den Tropen, besonders im südostasiatischen Raum. In Südeuropa lebt ein berühmter Verwandter dieser Art. Es ist der größte Schmetterling Europas, das Wiener Nachtpfauenauge (Saturnia pyri). Der berühmte Verhaltensforscher Jean-Henri Fabre (1823-1915) widmete sein Leben dem Studium der Insekten Südfrankreichs. Dabei entdeckte er, dass die männlichen Falter des Nachtpfauenauges Duftstoffe ihrer weiblichen Artgenossen auf größere Entfernungen wahrnehmen können. Den Lockstoff, der dem Hinterleib der unbefruchteten Weibchen entströmt, können sie mit ihren gekämmten, antennenförmigen Fühlern riechen. Ein einziges Weibchen kann damit viele männliche Falter aus einer Entfernung mehrerer Kilometer anlocken. Der Lockstoff wird von einem Paar Pheromondrüsen produziert, die zwischen den Hinterleibsringen des Weibchens liegen. Wenn das weibliche Tier paarungsbereit ist, stülpt es diese Duftdrüsen aus dem Körper aus.

In Baden-Württemberg ist die zu den Pfauenspinnern zählende Unterfamilie Saturniinae nur mit einer Art, dem Kleinen Nachtpfauenauge (Saturnia pavonia), vertreten. Es ist einer unserer schönsten einheimischen Nachtschmetterlinge. Am Kahlenberg konnten wir in den letzten Jahren Ende April und im Mai frisch aus Puppen geschlüpfte Falter und an Lichtquellen angeflogene Tiere finden. Wie das Kleine Nachtpfauenauge ist auch der Nagelfleck (Aglia tau) die einzige Art seiner Pfauenspinner-Unterfamilie (Agliinae), die bei uns heimisch ist. Im Kahlenberg-Gebiet fällt das Nagelfleck-Männchen im Frühling manchmal tagsüber durch seinen schnellen Zick-Zack-Suchflug nach frisch geschlüpften Weibchen auf. Der deutsche Name des Schmetterlings bezieht sich auf die vier weißen "Nägel", die in der Mitte der Vorder- und Hinterflügel in je einem dunkelblauen Augenfleck liegen. Diese dunklen Augen stehen in starkem Kontrast zu der meist leuchtenden orange-braunen Flügeloberseite. Die Geschlechter unterscheiden sich auffallend. Die Weibchen sind immer größer und blasser gefärbt, ihre Fühler sind lang und dünn. Die Raupen des Nagelflecks fressen an Buchenlaub, vor allem an jungen Blättern in den Baumkronen, sind aber auch an Birken, Schlehen und Apfelbäumen zu finden. Die Raupenzeit dauert von Mai bis Anfang August. Die verschiedenen Raupenstadien unterscheiden sich nach den Häutungen deutlich voneinander. Es fällt nicht leicht, die kleine Raupe für die gleiche zu halten, die sich nach mehreren Häutungen schließlich zur Puppe umwandelt. Den ersten drei Raupenstadien verleihen mehrere weiß-rot geringelte Rückendornen ein bizarres Aussehen. Sie verschwinden nach der dritten Häutung. Die ausgewachsene Raupe des Nagelflecks ist grün mit einer hellgelben Seitenlinie und einem halben Halsring.

Nachtschmetterlinge in großer Vielfalt - die Eulen (Noctuidae)


Die nächtliche Lebensweise der meisten ihrer Arten brachte der größten Nachtschmetterlingsfamilie der Erde (128 Arten) den deutschen Namen "Eulen" ein. Es gibt unter ihnen auch Falterarten, die im Sonnenschein fliegen. Von diesen Tageulen leben aber nur wenige Arten, unter ihnen die Braune Tageule, am Kahlenberg. Mit ihrem beeindruckenden Artenreichtum - in Deutschland sind von den weltweit über 35.000 Eulenarten rund 600 Spezies heimisch - stellt diese Schmetterlingsfamilie ihre gefiederten Namensvettern aus dem Vogelreich bei weitem in den Schatten. Trotz dieser Vielfalt kann der geübte Beobachter die Familienzugehörigkeit der Falter meist an der Zeichnung ihrer Vorderflügel erkennen. Sie lässt sich auf ein einheitliches Muster aus wenigen Querlinien und drei dazwischen liegenden Elementen zurückführen. Man bezeichnet diese nach ihrer Form als Zapfenmakel, Ringmakel und Nierenmakel. Nicht nur in der Artenvielfalt halten die Eulen den Rekord unter den Schmetterlingen.

Zu dieser Familie gehört auch der Falter mit der größten Flügelspannweite: Die südamerikanische Agrippina-Eule könnte mit ihren aufgeklappten Flügeln - sie erreichen bis zu 28 Zentimeter Spannweite - einen DIN A4-Bogen der Länge nach nahezu bedecken.

Unsere heimischen Eulen sind dagegen in Bezug auf ihre Körpergröße deutlich bescheidener. Das Blaue Ordensband, die größte der bei uns lebenden Ordensbandarten, erreicht höchstens ein Drittel dieser Spannweite. Es wurde am Kahlenberg bisher noch nicht gefunden. Zusammen mit den anderen Ordensbändern gehört es zu den schönsten Arten unter den oft unscheinbar grau gefärbten Eulen. Die unauffällige Färbung ist für die Tiere allerdings eine für das Überleben notwendige Tarntracht. Sie ruhen am Tag auf Baumstämmen und anderen Pflanzen, auf Stein- oder Hauswänden. Mit leuchtenden Farben wären die Falter dort gut sichtbar und Vögeln und anderen Fressfeinden damit schutzlos ausgeliefert. Die Schönheit unseres am Kahlenberg oft beobachteten und fotografierten Roten Ordensbandes tritt erst zu Tage, wenn man das Tier in seiner Ruhe stört. Wird er berührt, spreizt der Falter plötzlich die grauen, tarnfarbig gemusterten Vorderflügel auseinander. Leuchtend rot auf schwarzem Grund treten dann die bis dahin verborgenen Hinterflügel zu Tage. Durch die überraschend sichtbar werdende Warnfärbung gewinnt das Tier wertvolle Zeit, um sich dem erschreckten Angreifer durch eine schnelle Flucht zu entziehen.

Die Spanner (Geometridae)


Die Vielfalt der Spanner ist mit weltweit mehr als 21000 und 400 mitteleuropäischen Arten beeindruckend.

Die meisten von ihnen sind kleine, unscheinbare Falter. Tagsüber halten sie sich oft im Pflanzendickicht, Gebüsch und Gras verborgen. Einige Arten sind am Tage aktiv, die meisten erwachen erst in der Dunkelheit. Manche fliegen schon in den ersten Frühlingsnächten, andere sind in der Abenddämmerung der Sommermonate auf Partner- oder Nahrungssuche. Manche Arten sind noch an kühlen Herbstabenden aktiv und werden vom Lichtschein der Lampen angezogen. Die Raupen der meisten Spanner sind auch für Laien leicht zu erkennen: Ihre ersten drei Bauchfußpaare fehlen und der lang gestreckte Körper wird nur von den Brustbeinen, dem letzten Paar der Bauchfüße und den Nachschiebern getragen. Wenn sie sich fortbewegen, strecken die Spannerraupen ihren Körper nach vorn, krümmen ihn dann wie einen Katzenbuckel ein und halten sich mit den Beinpaaren des Körperendes direkt hinter den Brustbeinen fest.

Mit diesem "spannerartigen" Laufen können sie zügig große Entfernungen zurücklegen. Ruhende Spannerraupen klammern sich häufig nur mit den hinteren Füßen an ein Ästchen der Futterpflanze und halten den ausgestreckten Körper schräg in die Luft. Die charakteristische Fortbewegungsart der Raupen und ihr Körperbau hat dieser Schmetterlingsfamilie den Namen "Spanner" eingebracht. Er trifft aber auch auf die erwachsenen Falter passend zu: Sie spannen ihre Flügel meist flach auf und legen sie nicht wie viele andere Nachtfalter dachartig über den Körper. Im Sitzen klappen Spanner die Flügel nicht über dem Rücken zusammen. Dieses Verhalten kann man dagegen häufig bei Tagfaltern beobachten. Sie breiten die Flügel meist nur zum Fliegen und Sonnen auseinander. Spannerflügel weisen im Verhältnis zum Körpergewicht der meist schlanken Tiere eine große Fläche auf.

Die Gottesanbeterin


Aus dem sonnigen Süden Europas stammt eine außergewöhnliche Bewohnerin des Kahlenbergs, die Gottesanbeterin.

Mit ihren riesigen Facettenaugen, dem dreieckigen Kopf und den wie zum Gebet erhobenen Vorderbeinen fasziniert das bizarre Aussehen dieses Raubinsekts jeden naturinteressierten Beobachter. Seit einigen Jahren kann man den wenige Zentimeter großen Lauerjäger - wissenschaftlich Mantis religiosa genannt - auf den Halbtrockenrasen, Wiesen und Böschungen, zwischen Schilfbeständen und Goldruten, auf Blockhalden und dem Erzlager des Doggers am Kahlenberg häufiger finden. Die meisten Verwandten dieser einzigen bei uns einheimischen Fangschreckenart leben in den wärmeren Gebieten der Erde. In ihrem Formenreichtum stehen sie den Gespenstschrecken Afrikas und Asiens kaum nach.

Noch vor rund hundert Jahren war die Gottesanbeterin nur von wenigen weiteren Fundstellen bekannt und wurde in der einheimischen Tierwelt selten beschrieben. Neben einigen anderen Wärme liebenden Insektenarten - einigen aus dem Süden eingewanderten Schmetterlingsarten wie dem Segelfalter und Zygaenenarten sowie den mit den Florfliegen verwandten beiden gelb-schwarzen Arten von Schmetterlingshaften - lockte die Gottesanbeterin Fotografen und Insektenkundler an den Badberg und zum südlichen Kaiserstuhl. Ursprünglich ist diese Insektenart durch die Burgundische Pforte eingewandert. Heute hat sie sich weiter nach Norden bis zu den Halbtrockenrasen des Burgackers bei Kenzingen, den Taubergießenwiesen und bis in die Mittelbadische Region bei Rastatt ausgebreitet.

Unverwechselbares Kennzeichen der Gottesanbeterin und anderer Fangschreckenarten in wärmeren Ländern sind ihre ungewöhnlich geformten Vorderbeine. Sie sind lang, aber zum Laufen ungeeignet und arbeiten wie ein Klappmesser. Die kräftigen Hüftstücke, die verlängerten Schienen und Schenkel dieser Fangbeine sind seitlich stark zusammengedrückt. Jedes Fangbein endet in einem nadelspitzen Haken. Die eine Seite der Schenkel trägt eine auf beiden Seiten mit starken Zähnchen besetzte Furche, in die das Tier die Schiene hineinklappen kann. Während die Gottesanbeterin meist auf Pflanzen kleineren Insekten wie Fliegen, Schmetterlingen oder Heuschrecken auflauert, hält sie ihre gefalteten Vorderbeine frei vor ihrem Körper. Was aber den Betrachter an eine fromme Geste erinnern mag, dient in Wirklichkeit dazu, blitzschnell ein Beutetier einzufangen und festzuhalten.

Besonders interessant ist es, die Gottesanbeterin bei der Lauerjagd zu beobachten. Sie dreht den dreieckigen Kopf mit seinen großen Augen nach allen Seiten. Kommt ein kleineres Insekt in ihre Nähe, klettert sie langsam näher heran. Dann schleudert sie die stacheligen, sich öffnenden Fangbeine nach vorn und klemmt die Beute zwischen der wie ein Taschenmesser einschnappenden Schiene und dem Schenkel ein. Die spitzen Haken am Ende der Fangbeine bohren sich in den Körper des gefangenen Insekts. Mit den Vorderbeinen führt das Raubinsekt dann seine Beute zum Mund und verspeist sie. Auch wenn ihr die kräftigen Mundwerkzeuge anderer räuberischer Insekten wie die Kiefer der Laufkäfer fehlen, macht diese einzigartige Fangmethode die Gottesanbeterin zu einer erfolgreichen Jägerin.