Amphibien und Reptilien am Kahlenberg


Einführung

Der Kahlenberg gehört zu den wertvollsten Lebensräumen für Amphibien zwischen Emmendingen und Lahr.

In das ausgedehnte Gelände des ehemaligen Erzbergwerks und der späteren Mülldeponie konnte über einen langen Zeitraum eine große Zahl an Arten einwandern. Viele von ihnen sind heute in der intensiv genutzten Kulturlandschaft außerhalb des Kahlenbergs kaum noch anzutreffen. Die immer wieder wechselnden Eingriffe des Menschen über lange Zeiträume hinweg schufen mehr oder weniger ungewollt zahlreiche unterschiedliche Lebensräume. So konnten sich vor allem bei den Amphibienarten Kreuzkröte, Seefrosch und Gelbbauchunke große Bestände entwickeln. Unterschiedliche Stillgewässertypen bieten weiteren Amphibienarten günstige Lebensbedingungen: hier leben drei Molcharten und bis vor wenigen Jahren kamen alle drei Krötenarten vor.

Reptilien begegnet man vor allem an den Rändern der rekultivierten Teile des Deponieareals, die Kontakt zum umliegenden Rebland oder zu den Waldstücken haben. Lange Zeit wurden Erdaufschlüsse wie Steinbrüche und Kiesgruben als Wunden in der Landschaft angesehen, die durch Rekultivierung wieder geschlossen werden mussten. Etwa seit Ende der 1970er-Jahre findet die Besonderheit solcher Standorte für Pionierarten und Besiedler von Brachflächen verstärkt Beachtung. Naturschützer heben deren ökologischen Wert hervor und fordern eine naturverträgliche Renaturierung. Dennoch erfolgt eine Rekultivierung meist in Form einer Zwischennutzung als Erdaushub-, Bauschutt- oder Mülldeponie. Letztendlich werden die Flächen in den meisten Fällen land- oder forstwirtschaftlich genutzt oder dienen der Naherholung. Am Kahlenberg bietet sich die Chance, noch während des Deponiebetriebs gezielt Biotope aus zweiter Hand für gefährdete Arten zu schaffen und Pflegepläne mit den Anforderungen des Arten- und Naturschutzes abzustimmen.

Folgende Amphibien- und Reptilien-Arten konnten in den vergangenen 30 Jahren im Gelände am Kahlenberg nachgewiesen werden:


 
Deutscher Name
Wissenschaftl. Name Rote Liste Baden-Württemberg

Status am Kahlenberg (2006)

Lurche Amphibien
Bergmolch Triturus alpestris  N   v
Fadenmolch Triturus helveticus N  s
Kammmolch Triturus cristatus 2  s
Gelbbauchunke Bombina variegata 2  v
Grasfrosch Rana temporaria V  s
Teichfrosch Rana esculenta  D   v
Seefrosch Rana ridibunda 3  h
Kreuzkröte Bufo calamita 2  h
Wechselkröte Bufo viridis 2  a
Erdkröte Bufo bufo V s
Laubfrosch Hyla arborea  2  s
Kriechtiere Reptilien    
Blindschleiche Anguis fragilis N  s
Zauneidechse Lacerta agilis V v
Mauereidechse Podarcis muralis 2 s
Ringelnatter Natrix natrix 3 s
Schlingnatter Coronella austriaca 3  s
   


Erläuterung:
Rote Liste Baden-Württemberg (LAUFER 1999):            Zum Status am Kahlenberg:
2 = stark gefährdet a = ausgestorben
3 = gefährdet s = selten
V = Vorwarnliste v = verbreitet
N = derzeit nicht gefährdet h = häufig
D = Daten mangelhaft, wahrscheinlich nicht gefährdet


Amphibien

Kreuzkröte (Bufo calamita)


Wer nach Einbruch der Dämmerung am Kahlenberg spazieren geht, hat vielleicht schon ein kleines Tier über den Weg huschen sehen, das sich flink wie eine Maus bewegt, aber Krötengestalt hat. Das war meist eine Begegnung mit der Kreuzkröte. Ihre Hinterbeine sind zum Hüpfen zu kurz. An der warzigen gelbbraun bis grauoliv gefärbten Oberseite und dem schmalen gelben Streifen in der Rückenmitte kann man sie leicht erkennen. Selten wird sie über 6,5 Zentimeter lang. In warmen Nächten von Ende April bis Juli kann man am Kahlenberg die knarrenden Rufe der Kreuzkröten-Männchen überall dort vernehmen, wo sich flache Kleingewässer gebildet haben. Das Konzert ist über einen Kilometer weit zu hören - die Kreuzkröten sind die lautesten unserer heimischen Amphibien. Tagsüber verstecken sich die Tiere unter flach aufliegenden Steinen, Brettern und in Mauselöchern. Bei lockerem Untergrund ziehen sie sich auch in selbst gegrabene Gänge in Böschungen und Hanglagen zurück. Der Kreuzkrötenbestand am Kahlenberg ist erfreulich groß, die Tendenz jedoch neuerdings abnehmend.

Als Pionierbesiedler bevorzugt die Art offenes bis halboffenes, trocken-warmes Gelände mit lockerem Untergrund. Solche Standorte gibt es im Deponiegelände noch häufig. Die Kreuzkröte profitiert also von der Nutzung und den dadurch immer wieder geschaffenen Pionierstandorten. Auf den halboffenen ehemaligen Bergbauflächen und den Terrassenflächen im Norden und Süden des Deponieareals kommt sie ebenfalls vor. Ältere Rekultivierungsflächen mit dichtem Gras besiedelt die Kreuzkröte dagegen kaum. Kreuzkröten-Kaulquappen gibt es fast in jedem Jahr in den nur zeitweise bestehenden Kleingewässern. Sie bewohnen die Tümpel im "Ablagerungsgebiet Süd", den Flachwasserbereich beim Kalkfelsblock "Südwestpunkt" und die von Pflanzenbewuchs freien Pfützen und Tümpel im Zentrum und Norden des Grubenareals. Frisch geschlüpfte Kreuzkrötenlarven sind an ihrer geringen Größe, ältere Larven an der Fluchtreaktion bei Beschattung gut von ähnlichen Kaulquappen zu unterscheiden. Von Mai bis Juni findet man mehrere Larvenentwicklungstufen nebeneinander, da Kreuzkröten zwei- bis dreimal pro Jahr ablaichen. Je nach Wassertemperatur und Nahrungsangebot dauert es nur vier bis zwölf Wochen, bis sich aus dem Ei eine Jungkröte entwickelt hat. Dies ist eine Anpassung an das hohe Austrocknungsrisiko der stark besonnten, flachen Kleingewässer.

Die natürlichen Lebensräume der Kreuzkröte in der Rheinebene sind durch Flussregulierung und -ausbau weitgehend zerstört. Erdaufschlüsse wie Kies- und Sandgruben, Baustellen und andere Abgrabungsflächen haben heute eine besondere Bedeutung als Rückzugsgebiete für diese Art. Dort sind neben offenen Kies- und Sandablagerungen auch wenig bewachsene, flache Kleingewässer für einige Zeit vorhanden und ermöglichen die Fortpflanzung der Kreuzkröten. Solche Kleingewässer entsprechen am ehesten ihren ursprünglichen Fortpflanzungsorten entlang der Flüsse: Es waren unbewachsene flache Geschiebetümpel, die nach dem Rückgang des Hochwassers zurückblieben.

Die Ausweisung eines Kreuzkröten-Lebensraums als Naturschutzgebiet allein ist kein geeignetes Mittel für den Schutz dieser Art.
Nur wenn gezielt immer wieder offene, kaum bewachsene Flächen und Kleingewässer künstlich geschaffen werden, können sich Pionierarten wie die Kreuzkröte auf Dauer halten. Bis in die 1980er-Jahre wurde die Kreuzkröte an mehreren Stellen in der Umgebung des Kahlenbergs nachgewiesen: die Fundorte der Art waren damals mehrere Rückhaltebecken im Rebland, bei der Riedmühle südlich von Ettenheimweiler, in einem Tümpel westlich von Tutschfelden, der Kiesgrube südwestlich von Herbolzheim (Klostergrien), auf der Brachfläche nördlich von Ringsheim, am Apostel-See westlich von Ettenheim und am Baggersee südlich von Grafenhausen. Die Kreuzkröten-Bestände dieser Standorte sind mittlerweile größtenteils erloschen. Das Vorkommen im Bereich der ehemaligen Erzverladestation an der Bahnlinie westlich der Bundesstraße ist stark gefährdet, weil das Gelände rekultiviert und aufgefüllt wurde (siehe Kapitel Schutzmaßnahmen). Die Kreuzkröte ist die Charakterart unter den Amphibien am Kahlenberg. Der Standort ist von großer Bedeutung für die Art im ganzen Umfeld und in beiden Landkreisen.

Gelbbauchunke (Bombina variegata)


Die Vielzahl an Gewässern mit ihren unterschiedlichen Verlandungsstadien und das halboffene Gelände am Kahlenberg mit Gehölzen und kleinen Waldstücken bieten beste Voraussetzungen für einen großen Bestand an Gelbbauchunken.

Die Tiere besiedeln neu entstandene Gewässer sehr schnell, das heißt, sie verhalten sich wie Pionierarten. Diese kleinen, stark warzigen Froschlurche sind durch die lehmfarbene Oberseite hervorragend getarnt. Der gelben Bauchseite mit dem blauschwarzem Fleckenmuster verdanken sie ihren Namen. Die Unke sitzt oft im flachen Wasser lehmiger Pfützen oder hängt mit gespreizten Hinterbeinen an der Wasseroberfläche. Nur der Kopf schaut aus dem Wasser heraus. Bei Störungen taucht sie schnell ab, das Wasser wird trüb aufgewirbelt und unbemerkt erscheint an anderer Stelle bald wieder das neugierige Augenpaar mit seiner typischen herzförmigen Pupille. Während der Laichperiode von Ende April bis Juli kann man nach Einbruch der Dämmerung aus den meisten Gewässern das monotone "uh-uh-uh-uh" hören. Gelbbauchunken besiedeln die Rückhalteteiche an der Bundesstraße, einige der großen, von Blocksteinen eingefasste Becken und die dicht mit Röhricht bewachsenen Gewässer im Limbachtal ebenso wie die offenen Tümpel im "Ablagerungsgebiet Süd" und die völlig bewuchsfreien Lehmpfützen im Deponiebereich. Im südlich benachbarten Naturschutzgebiet "Kalksteinbruch Ehrleshalden" bewohnt die Unke die nur vorübergehend bestehenden Pfützen auf der lehmigen Rutschfläche. Warme, wenig bewachsene Flachgewässer sind die bevorzugten Laichplätze dieser Art.

Ein Weibchen kann zwei- bis dreimal im Jahr ablaichen: es legt die Eier einzeln oder in kleinen Gruppen ab oder heftet sie an Pflanzen im flachen Wasser an. Als Anpassung an ihre oft schnell austrocknenden Laichgewässer können sich daraus bei hoher Wassertemperatur innerhalb eines Monats Jungunken entwickeln. Im Sommer findet man die Gelbbauchunke eher in halbschattigen, dicht bewachsenen Kleingewässern, die zu kühl für die Fortpflanzung wären, aber viel Nahrung und Deckung bieten. Unken halten sich von April bis August an den Gewässern auf. Es handelt sich dabei aber immer wieder um andere Exemplare und ein Teil der Unken bleibt für längere Zeit unbemerkt an Land. Die schnelle Besiedlung neu entstandener Kleingewässer spricht dafür, dass viele Tiere umherstreifen. In der Umgebung des Kahlenbergs sind die meisten Unkenvorkommen seit den 1990er-Jahren erloschen. Kleingewässer entstehen kaum noch neu in unserer Landschaft; ihr Verlust ist der Hauptgrund für den starken Rückgang der Gelbbauchunke. Einen gut vernetzten Lebensraum für Unken mit einem großen Bestand gibt es im Kreis Emmendingen nur in einer stillgelegten Tongrube und im Ortenaukreis in einigen Waldgebieten mit vielen lehmigen Wagenspuren auf den Forstwegen. Das Deponieareal Kahlenberg ist daher für diese Art von regionaler Bedeutung. Dies gehört zu den Gründen, dass Teile des Kahlenbergs als schützenswertes Gebiet gemäß der Fauna-Flora-Habitat- (FFH)-Richtlinie der Europäischen Union ausgewiesen wurden.

Teichfrosch (Rana esculenta)


Zur Gruppe der Grünfrösche, die die meiste Zeit des Jahres im und am Gewässer verbringen, gehören der Seefrosch (R. ridibunda), die Mischlingsform Teichfrosch (R. esculenta) und der Kleine Wasserfrosch (R. lessonae). Sie alle haben eine grünliche Grundfärbung mit hellem und dunklem Fleckenmuster und sind schwer voneinander zu unterscheiden. Fast alle am Kahlenberg gefangenen Grünfrösche waren Seefrösche, weniger als zehn Prozent der Tiere konnte ich nach äußeren Merkmalen oder an ihrem Ruf als Teichfrösche bestimmen; der Wasserfrosch Rana lessonae war nie darunter. Der Teichfrosch tritt hier also nur in geringer Zahl in den Seefroschbeständen auf und ist als Bastard (Klepton) für die Fortpflanzung nicht darauf angewiesen, dass beide Elternarten vorhanden sind.

Seefrosch (Rana ridibunda)


Der Seefrosch kann die stattliche Größe von 13 Zentimetern erreichen. Solche "Riesen" trifft man beispielsweise im umzäunten Rückhaltebecken im Nordwesten des Kahlenberg-Geländes an. Viele Seefrösche bevölkern die Rückhalteteiche an der Bundesstraße, die drei großen Becken beim Verwaltungsgebäude, die beiden Teiche im Limbachtal sowie die größeren Tümpel und Rückhaltebecken im Abbaugebiet.

In den Kleingewässern im "Ablagerungsbereich Süd" leben überwiegend nur einzelne Jungtiere und Halbwüchsige, in den dort angelegten Folienteichen ist die Art dagegen häufig. Die Froschkonzerte der lauen Sommernächte am Kahlenberg werden von dem lauten Keckern des Seefroschs bestimmt. Den Ruf, der an ein Lachen erinnert, kann man bis nach Ringsheim hören. Der wissenschaftliche Artname "ridibunda" bedeutet "lachend". Die Weibchen legen die unförmigen Laichklumpen im Mai und Juni am Ufer auf Wasserpflanzen ab. Die Kaulquappen können eine Länge von 75 Millimetern erreichen und sind recht scheu. In den frühen 1980er-Jahren waren Grünfrösche am Kahlenberg selten. Der Seefrosch wurde hier erstmals 1993 als solcher erkannt und vom Teichfrosch unterschieden, kam aber möglicherweise schon längere Zeit vor und wurde übersehen. In der südlichen Oberrheinebene hat sich der Seefrosch in den letzten zwei Jahrzehnten vielerorts stark ausgebreitet. Die Art besiedelt nicht nur Auengewässer am Rhein und Baggerseen, sondern zunehmend auch Kleingewässer. Er tritt an manchen, bisher artenreichen Amphibienstandorten sehr dominant auf und verdrängt leider andere Amphibien, insbesondere den Laubfrosch.

Laubfrosch (Hyla arborea)


Viele kennen den grünen Laubfrosch von Abbildungen, in denen er als Wetterprophet auf einer Leiter im Glas sitzt.

Kaum jemand hat ihn aber tatsächlich schon einmal in natura gesehen. Den populären Froschlurch kann man nach Einbruch der Dämmerung leicht an seinem lauten Ruf erkennen, den er durch eine große Schallblase an der Kehle verstärkt. Ein Laubfrosch-Chor ist mehrere hundert Meter weit zu hören, so dass eine Bestandsaufnahme im Frühsommer während der Paarungszeit dieser Froschart am besten gelingt. Über das Vorkommen des Laubfroschs am Kahlenberg gibt es leider nur wenige Angaben. Ende der 1970er-Jahre gab es offenbar noch einen großen Bestand. Im Mai 1987 konnte ich drei Rufer hören. Vom Zeitraum danach liegt keine Meldung mehr vor. Im Mai 2006 riefen im Rekultivierungsbereich Süd jedoch wieder zwei Männchen.

Die Bestandssituation des Laubfroschs hat sich in den letzten Jahren deutlich verschlechtert. Folgende Vorkommen der 1980er-Jahre sind heute erloschen: der Apostelsee westlich von Ettenheim, die Teiche an der Bahnlinie nördlich von Ringsheim, der Fischweiher Ettenheimweiler, der Lettenaushub bei Riedmühle, der Tümpel westlich von Tutschfelden, die Kiesgrube Klostergrien südwestlich von Herbolzheim und die Bleichbachniederung westlich von Herbolzheim. Der starke Rückgang des Laubfroschs im Raum Ettenheim hat verschiedene Ursachen: manche Laichplätze und Sommerlebensräume haben sich durch Verlandung und andere natürliche Vorgänge verändert. In manche Gewässer wurden Fische eingesetzt oder der Laichplatz wurde ganz zerstört. Am Kahlenberg jedoch gab es seit den 1980er-Jahren immer besonnte, fischfreie Kleingewässer mit Rohrkolben, Schilf und flachen Uferbereichen, die von Gebüsch und Hochstauden umgeben sind. Die starke Zunahme des Seefroschs dürfte hier die Ursache für den Rückgang sein, denn der kleine, bis fünf Zentimeter lange Laubfrosch ist eine leichte Beute für den großen Vetter.

Bergmolch (Triturus alpestris)


Mit ihrer kräftig blauen Grundfärbung, der gelb-schwarz gemusterten Rückenleiste und dem ungefleckten orangeroten Bauch sind die Bergmolch-Männchen Kleinodien unserer Stillgewässer.

Die Weibchen sind dunkel bläulich marmoriert und erreichen eine Länge von elf Zentimetern. Bei Dunkelheit kann man die Molche entdecken, indem man die Uferbereiche mit der Taschenlampe ableuchtet. Am Kahlenberg bewohnt der Bergmolch in Frühling und Sommer die von Weidengehölzen umgebenen Rückhalteteiche beim Bürogebäude, an der Bundesstraße und im Limbachtal sowie einzelne Tümpel im Ablagerungsbereich. Er ist somit der hier am weitesten verbreitete Molch. Die Pfützen und Tümpel im offenen, unbewachsenen Deponieareal besiedelt er nur ausnahmsweise. Dies liegt vermutlich an seiner Vorliebe für Waldgewässer. Der Bergmolch meidet Gewässer mit Fischbesatz. Im zeitigen Frühjahr wandern unsere Molche in die Laichgewässer ein und schon bald kann man ihre temperamentvollen Balzspiele im Wasser beobachten.

Über einen Zeitraum von mehreren Wochen legen die Weibchen 100 bis 200 Eier und heften sie einzeln an Wasserpflanzen. Charakteristisch für die Kaulquappe des Bergmolchs ist die intensive dunkle Färbung der Schwanzflosse. Im Spätsommer nehmen die Larven ihre endgültige Gestalt an und gehen an Land; nur selten überwintern sie im Larvalstadium. Die ausgewachsenen Molche verlassen im Sommer das Wasser und führen ein verstecktes Landleben.

Fadenmolch (Triturus helveticus)


Mit einer Körperlänge von bis zu neun Zentimetern ist der Fadenmolch der kleinste unserer Molche.

An seiner hellbraunen, meist lehmfarbigen und an den Flanken dunkel gefleckten Färbung kann man ihn gut vom kräftigeren, dunklen Bergmolch unterscheiden. Die Unterseite ist blassgelb oder hellorange gefärbt. Die dunklen Schwimmhäute an den Hinterbeinen und ein abgestutztes Schwanzende mit dem namengebenden Faden an der Spitze kennzeichnen die Männchen. Die Weibchen sind kaum von denen des Teichmolchs (Triturus vulgaris) zu unterscheiden, der am Kahlenberg bislang nicht gefunden wurde. Der Fadenmolch dagegen tritt an mehreren Stellen im Gebiet auf: er bewohnt die Rückhalteteiche an der Bundesstraße und die von Blocksteinen eingefassten großen Becken beim Verwaltungsgebäude ebenso wie die kleinen, dicht mit Rohrkolben und Seebinsen bewachsenen Becken beim Tiergehege. Die Molche meiden jedoch die vielen unbeständigen Tümpel und Pfützen des offenen Deponiegeländes.

Kammmolch (Triturus cristatus)


Der Kammmolch ist in Baden- Württemberg der seltenste unserer vier Molcharten; seine Bestände sind landesweit rückläufig. Wie die Gelbbauchunke gehört er zu den FFH-Arten (Anhang II) des europäischen Schutzgebietsnetzes. Während der Laichzeit ab April tragen die Männchen einen prächtig gezackten Kamm auf ihrem Rücken und Schwanz, so dass sie einem Drachen "en miniature" ähneln. Die Weibchen können eine Länge von 17 Zentimetern erreichen. Der Bauch ist gelb oder orange gefärbt und schwarz gefleckt. Charakteristisch für die großen Kammmolchlarven sind die sehr langen Finger und Zehen sowie das lang zugespitzte Schwanzende. Die ausgewachsenen Kammmolche verlassen im Juni oder Juli das Wasser und halten sich versteckt unter Steinen und im angrenzenden Gehölz an Land auf. Die Ansprüche des Kammmolchs an seinen Lebensraum sind höher als die der anderen Arten. Die Tieflandart bevorzugt beständige, tiefe und besonnte Stillgewässer, die dicht mit Unterwasserpflanzen bewachsen und am Ufer von Gehölzen umgeben sind. Die mit Blocksteinen eingefassten Rückhalteteiche entsprechen seinem natürlichen Lebensraum am ehesten und sind bislang die einzigen Fundstellen am Kahlenberg.

Der einst reiche Bestand unserer größten heimischen Molchart am Kahlenberg ist vermutlich deshalb stark zurückgegangen, weil Fische in seine Laichgewässer gelangen konnten. Das wichtigste Laichgewässer enthielt im Jahr 2006 große Schwärme von Rotfedern. Als Schutzmaßnahme für den Kammmolch wäre es sinnvoll, seine Larven in andere geeignete, aber fischfreie Rückhaltebecken am Kahlenberg umzusetzen. Außerdem sollten die Weiden um das Laichgewässer stark zurückgeschnitten werden, damit mehr Licht, aber weniger Laub in das Becken hineinfällt. In der näheren Umgebung leben Kammmolche lediglich noch in einem großen Tümpel nordwestlich von Ringsheim in größerer Zahl. Das frühere Vorkommen in einem kleinen Baggerteich nördlich von Ringsheim ist durch Fischbesatz erloschen. Die Kleingewässer auf der Brachfläche westlich der Bahnlinie und nördlich von Ringsheim sind ständig trocken und ohne neueren Nachweis. Ein weiterer Standort an der Bahnlinie südlich Ringsheim ist ebenfalls verwaist.

Grasfrosch (Rana temporaria)


Nur selten trifft man den braunen, sechs bis zehn Zentimeter langen Grasfrosch am Kahlenberg an. Er ist zwar der häufigste und am weitesten verbreitete Froschlurch der Region, jedoch sagt ihm der trocken-warme Standort des Deponiegeländes offensichtlich nicht zu. In den von Blocksteinen eingefassten Rückhalteteichen wurden bisher weder Laichballen noch Kaulquappen des Grasfrosches gefunden. Die Grasfrösche suchen auch die vielen Pfützen und Tümpel der Terrassen nicht auf, um Eier abzulegen. Solche Kleingewässer wären ansonsten geeignete Laichplätze, in denen dieser Frosch im März und April während der Laichzeit auch in größeren Ansammlungen zu finden ist. Typische Landlebensräume des Grasfrosches wie Hochstaudenfluren und feuchte Magerwiesenbrachen, Feuchtgebüsche und Bachauen findet er am Kahlenberg am ehesten noch im Limbachtal nordöstlich der Deponie. Die beiden Rückhaltebecken, ein Teich und ein dicht mit Rohrkolben bewachsener Tümpel, dienen ihm dort als Laichplätze.

Erdkröte (Bufo bufo)


Die weit verbreiteten Erdkröten sind durch die alljährlich im zeitigen Frühjahr einsetzenden Krötenwanderungen allgemein bekannt. Die Tiere überqueren auf dem Weg zum Laichplatz häufig Autostraßen und werden massenweise Opfer des Straßenverkehrs, wenn keine Schutzvorkehrungen wie Krötenzäune und Untertunnelungen eingerichtet werden. Ähnlich wie der Grasfrosch ist die Erdkröte nur gelegentlicher Gast im Deponiebereich, der ihr wohl zu offen und zu trocken ist. Allerdings kann man sie häufiger auf ihren nächtlichen Streifzügen im Gelände antreffen als den Grasfrosch.

Ihr eigentlicher Sommerlebensraum sind die Waldstücke aus artenreichem Mischwald und Robinien, die Gehölze und Obstwiesen am östlichen Rand des Kahlenbergs sowie die Gartengelände von Ringsheim und Herbolzheim. Weiher und Teiche sind die bevorzugten Laichplätze der Erdkröte, nur gelegentlich nutzt sie zur Eiablage auch kleinere Gewässer wie Tümpel und Gräben. Der große Rückhalteteich und der dicht mit Rohrkolben bewachsene Tümpel im oberen Limbachtal sind die einzigen mir bekannten Laichplätze am Kahlenberg. Die Kaulquappen der Erdkröte sind völlig schwarz gefärbt und flüchten kaum oder gar nicht, wenn sie beschattet werden oder ihre Umgebung erschüttert wird. Dadurch kann man sie leicht von den scheuen Kreuzkrötenlarven unterscheiden.

Wechselkröte (Bufo viridis)


Mit ihrem grün-weißen Fleckenmuster und den kleinen roten Punkten ist die Wechselkröte die schönste unserer drei Krötenarten.

Ihr Ruf während der Paarungszeit im Mai ist ein melodisches Trillern, das dem Zirpen der Maulwurfsgrille (Werre) ähnlich ist. Leider ist das Vorkommen der Wechselkröte am Kahlenberg erloschen. Zwischen 1973 und 1985 wurden noch einzelne Wechselkröten beim Umdrehen flacher Steine, insbesondere im Bereich der Dogger-ß-Schicht im heutigen Zentrum der Deponie, aufgefunden. Während die Kreuzkröte das westliche, vom feuchten und milderen atlantischen Klima geprägte Europa bewohnt, hat die Wechselkröte eine östliche Verbreitung in Regionen kontinentaleren Klimas mit trockenwarmen Sommern und kalten Wintern. In Mitteleuropa bewohnen beide Arten vielerorts die gleichen Gebiete, wobei sie aber oft unterschiedliche Lebensräume besiedeln und andere Laichgewässer aufsuchen.

Im Gebiet am südlichen Oberrhein war die Wechselkröte schon immer selten. Es gibt alte Fundangaben aus den Kinzigvorland bei Offenburg sowie aus Kehl, Sasbach und Oberrimsingen. Auch das Vorkommen bei Umkirch kann neuerdings nicht mehr bestätigt werden. In der March und bei Hochdorf werden die letzten Wechselkröten und ihre verbliebenen Lebensräume demnächst wohl Baumaßnahmen zum Opfer fallen, wenn nicht rechtzeitig Schutzvorkehrungen ergriffen werden. Warum aber ist die Wechselkröte am Kahlenberg verschwunden? Wie die Kreuzkröte besiedelt sie bevorzugt Gebiete mit Brachflächen, steppenartigem offenem Bewuchs und offenen Stellen, sowie trockenwarmes Kulturland. Solche Standorte und geeignete Laichgewässer sind durchgehend vorhanden, seit die Deponie besteht. In den 1970er und Anfang der 1980er-Jahre war die Kreuzkröte zwar vorhanden, jedoch in geringer Zahl. Möglicherweise brachte die zwischenartliche Konkurrenz mit der Kreuzkröte den Wechselkröten-Bestand zum Erliegen. Das zunehmend atlantischer werdende Klima hat vielleicht den Rückgang noch verstärkt. Wahrscheinlich aber haben großräumige, plötzliche Flächenumgestaltungen im Zentrum der Deponie mit Baggern und Planierraupen die Wechselkröten zum Verschwinden gebracht. Viele der heutigen Rekultivierungsflächen sind als Lebensraum für die Art gut geeignet. Eine Wiederansiedlung am Kahlenberg sollte in Erwägung gezogen werden.

Reptilien

Zauneidechse (Lacerta agilis)


Am Kahlenberg begegnet man zwei unterschiedlich gefärbten, bis 20 Zentimeter langen Eidechsentypen, die der gleichen Art angehören. Die braun gefärbten Tiere mit den dunklen Flecken und hellen Augenpunkten auf Rücken und Flanken sind die Weibchen. Die Männchen sind vor allem während der Paarungszeit im Mai und Juni an den leuchtend grün gefärbten Flanken zu erkennen und werden zuweilen für Smaragdeidechsen
(Lacerta bilineata) gehalten. Diese Art kommt in unserem Raum aber nur noch am Kaiserstuhl und Tuniberg vor. Bevorzugte Lebensräume der Zauneidechse sind trockene, sonnige Raine und Böschungen mit Gehölzgruppen und verfilzter Grasdecke. Solche halboffenen Standorte sind am Kahlenberg zahlreich vorhanden und die Zauneidechse ist hier auch weit verbreitet.

Die Terrassen des "Ablagerungsgebiets Süd", das ehemalige Bergbaugelände, die Wiesenränder im Osten, die Böschungen zum Rebgelände im Norden und die Streifen aus Pflanzenbewuchs entlang der vielen Kalksteinblöcke sind typische Fundstellen. Man trifft Zauneidechsen im Deponiegebiet aber überraschend selten an; oft sind nur einzelne Tiere zu sehen. Möglicherweise mangelt es an geeigneten Eiablageplätzen, denn der Boden ist überwiegend schwer und wird bei Trockenheit hart. Im Juni oder Juli graben die Weibchen fünf bis vierzehn weichschalige Eier in lockeren, nicht zu trockenen Boden an offenen, sonnigen Stellen ein. Im Spätsommer schlüpfen die rund sechs Zentimeter langen Jungtiere. Auch im umliegenden Rebland, an Weg- und Waldrändern und in den Gärten der Ortschaften sowie am Bahndamm trifft man die Kulturfolgerin Zauneidechse vielerorts an, allerdings bei weitem nicht mehr so zahlreich wie früher. Von allen Eidechsenarten sind bei der Zauneidechse in den vergangenen Jahrzehnten wahrscheinlich die größten Bestandseinbußen, die durch Veränderungen des Lebensraums verursacht wurden, aufgetreten.

Mauereidechse (Podarcis muralis)


Am Kahlenberg wurde die Mauereidechse erstmals im Jahre 2004 entdeckt. Die natürlichen Lebensräume dieser überwiegend im Mittelmeerraum verbreiteten Art sind trocken-warme Felswände und Blockhalden, die sich in wärmebegünstigten Gebieten stark aufheizen. In unserer Kulturlandschaft findet man sie vor allem an Weinbergmauern, Ruinen und voll besonnten Bahnlinien. In Kippenheim beispielsweise ist sie im Wohn- und Gewerbegebiet keine seltene Erscheinung, in Mahlberg trifft man sie am Schloss und in den umliegenden Gärten an.

Von Appenweier bis Orschweier wurden Mauereidechsen in mehreren Abschnitten der Bahnlinie und an einigen Bahnhöfen nachgewiesen. Am so genannten "Zollhaus" an der B3 westlich von Ettenheim, an der Bahnlinie nördlich von Ringsheim und am Ringsheimer Bahnhof wurden seit 1993 mehrere Mauereidechsen gefunden, ebenso am Bahnhofsgelände von Kenzingen. Die Art breitet sich offenbar in den letzten Jahren aus und hat auf diese Weise wohl auch den Kahlenberg erreicht. Typische Lebensräume der Mauereidechse im Deponiegelände sind die großen Blöcke aus Kalk-Natursteinen bei den Betriebsgebäuden und die massiven Blockstein-Einfassungen der Rückhalteteiche. In den Betonfugen sind im Laufe der Zeit einzelne Risse entstanden, die ihr als Versteckspalten dienen. Auch die wenigen als Zeugen des ehemaligen Tagebaus übrig gebliebenen Felswände werden von dieser Echse besiedelt. Problemlos bewegt sich die langschwänzige Mauereidechse über senkrechte Mauern und Wände und ist wesentlich flinker als die Zauneidechse.

Blindschleiche (Anguis fragilis)


Keine Schlange, sondern eine Echse ohne Beine ist die bis zu 45 Zentimeter lange Blindschleiche. Ihre entwicklungsgeschichtlichen Vorfahren hatten wie heute noch die in den Mittelmeerländern lebende Erzschleiche kurze Beine. Während der Embryonalentwicklung im Ei bilden auch die Blindschleichen vorübergehend Beinstummel aus. Die Oberseite der Blindschleiche ist braun bis grau gefärbt und schimmert oft kupferfarbig. Diese Echse besiedelt die unterschiedlichsten Lebensräume. Sie bewohnt häufig mäßig feuchte Böden mit deckungsreichem Pflanzenbewuchs und Buschland, das zahlreiche Versteckmöglichkeiten unter Steinen, Baumstümpfen und abgestorbenem Gras bietet, hält sich aber auch an trockenen, sonnigen Stellen auf. Man trifft die Tiere beispielsweise an Waldrändern, in Gehölzen und Hausgärten, selten in Erdaufschlüssen und auf Brachflächen.

Charakteristisch für den Lebensraum der Blindschleiche ist ein feuchtes Mikroklima. Wegen ihrer versteckten Lebensweise sind die Daten über diese Art recht lückenhaft. Nur wenige Fundmeldungen liegen aus dem Gebiet Kahlenberg vor, beispielsweise aus dem "Ablagerungsgebiet Süd" und dem Bereich des ehemaligen Bergbaugeländes am "Südwestpunkt". Häufig ist sie sicher nicht, denn es werden kaum überfahrene Tiere gefunden. Wahrscheinlich ist ihr das Deponieareal insgesamt zu trocken. Die Blindschleiche ist vorwiegend in den Morgen- und Abendstunden aktiv, sogar in lauen Nächten oder bei Nieselregen, wenn sich andere Reptilien schon lange in ihre Verstecke zurückgezogen haben.

Ringelnatter (Natrix natrix)


Die Ringelnatter ist stark an Wasserlebensräume gebunden und entfernt sich selten weit von Teichen, Tümpeln oder Bächen. In der Oberrheinebene und in der angrenzenden Vorbergzone ist die Ringelnatter weit verbreitet, beispielsweise an den größeren Gewässern um Ettenheim und Herbolzheim, aber auch an den Rebhängen und am Rand von Gehölzen um den Kahlenberg. Man begegnet ihr im Deponieareal nicht oft. Dies ist eigentlich überraschend, denn das Nahrungsangebot in Form von Grünfröschen ist reichlich.

Die ebenfalls zahlreich vorkommenden Kreuzkröten und Gelbbauchunken stehen nicht auf ihrem Speisezettel. Die Männchen erreichen nur eine Länge von etwa 85 Zentimetern, Weibchen können bis zu 130 Zentimeter lang werden. Ringelnattern sind wie alle Schlangen der Rheinebene und der Vorbergzone völlig ungiftig. Alle untersuchten Ringelnattern gehören der westlichen Unterart der Barren-Ringelnatter (Natrix natrix helvetica) an. Sie zeichnet sich durch dunkle, schmale, senkrecht gestellte Flecken (Barren) an den Flanken und meist nur undeutliche gelbe oder weißliche Halbmondflecken beiderseits des Hinterkopfs aus, die häufig nach hinten durch schwarze Felder begrenzt sind.

Schling- oder Glattnatter (Coronella austriaca)


An den Hängen der Schwarzwaldberge zum warmen Rheintal hin, in den Flusstälern und stellenweise auch in der Rheinebene kann ein aufmerksamer Beobachter dieser bis etwa 75 Zentimeter langen Schlange begegnen. Im Badischen wird die Schlingnatter "Haselnatter" oder "Kupferschlängle" genannt.

Diese Schlangenart fällt durch ihre versteckte Lebensweise und ruhige Art kaum auf. Nähert sich ein Mensch, verrät sich das Tier selten durch ungestüme Fluchtbewegungen, wie es bei der größeren Ringelnatter häufig der Fall ist. Die Schlingnatter ist gut getarnt und wird daher oft übersehen. Wer sie fängt, muss mit einem Biss rechnen, der aber nur kleine Kratzer verursacht und völlig ungefährlich ist, denn sie ist keine Giftschlange. Die Schlingnatter wird jedoch oft für eine Kreuzotter gehalten, weil sie wie diese eine braune bis graue Grundfärbung und ein dunkles Zeichnungsmuster hat. Die unregelmäßig angeordneten Rückenflecken sind jedoch nie wie bei der Kreuzotter zu einem zusammenhängenden Zickzackband verbunden. In der Rheinebene und im angrenzenden westlichen Schwarzwald gibt es aus klimatischen Gründen keine Giftschlangen.

Die Schlingnatter ernährt sich von Eidechsen, Blindschleichen und Mäusen, die sie nach dem Zupacken mit mehreren Körperwindungen umschlingt. Diese Schlangenart kommt an abwechslungsreich strukturierten Rebhängen mit Gehölzen, Brombeergebüschen, Steinriegeln, Brachflächen und offenen sonnigen Böschungen noch regelmäßig vor. Sie lebt unter anderem beim Naturschutzgebiet "Kalksteinbruch Ehrleshalden" oder in ruhigen Hausgärten in Herbolzheim und Ringsheim. In den vergangenen Jahren wurden immer wieder einzelne Exemplare an den locker bewachsenen Böschungen und Terrassen am Kahlenberg entdeckt. Am Nordrand der Deponie bei den Rebterrassen sonnten sich oft mehrere Schlingnattern gleichzeitig im damals noch lichten Robinienwäldchen, weitere beliebte Sonnenplätze dieser Schlange lagen im verbliebenen Bereich der ehemaligen Bergbaufläche beim "Südwestpunkt" sowie an den halboffenen Böschungen des "Ablagerungsbereichs Süd". In den offenen Abbauflächen fehlt diese Art.

Schutzmaßnahmen


Am Kahlenberg wird seit vielen Jahrzehnten das Gelände immer wieder auf großer Fläche umgestaltet. So ist ein veränderliches und vielfältiges Mosaik von besonderen, bewuchsarmen Standorten und Laichgewässern entstanden.

Durch die Größe des Geländes und das Ausbleiben einer landwirtschaftlichen Nutzung waren trotz vieler Veränderungen immer geeignete Rückzugsbereiche für Amphibien und Reptilien vorhanden. Die Wechselkröte allerdings ist in den 1980er-Jahren vermutlich großflächigen Veränderungen im Zentrum der Deponie zum Opfer gefallen. Künftig wird wohl die fortschreitende natürliche Entwicklung der Pflanzendecke problematisch für die Offenlandarten, die für den Kahlenberg charakteristisch sind. Die Situation der Pionierarten Kreuzkröte und Gelbbauchunke wird sich ohne gezielte Eingriffe und großflächige Pflegemaßnahmen künftig verschlechtern. Beide Arten bilden am Kahlenberg jetzt noch reiche Bestände, wie man sie in der Ortenau und im Breisgau nur selten findet. Die landesweit eher häufigen Arten Erdkröte, Grasfrosch, Berg- und Fadenmolch werden von einer zunehmenden Verbuschung zunächst profitieren. Der Sommerlebensraum und das Mikroklima werden für sie günstiger. Da sie aber allgemein in der Vorbergzone und im Schwarzwald weit verbreitet sind, sollte das Hauptaugenmerk der Biotop- Pflegemaßnahmen bei den seltenen Pionierarten liegen, auch im Hinblick auf andere Artengruppen. Gelbbauchunke und Kammmolch sind in der Fauna-Flora-Habitat- Richtlinie der Europäischen Union (FFH-Richtlinie Anhang II) aufgeführte Arten.

Die Bundesländer sind verpflichtet, Lebensräume für diese Arten als FFH-Schutzgebiete auszuweisen. Beide Arten kommen hier in großer Bestandsstärke vor. Dies war ein wichtiger Grund, den Kahlenberg als FFH-Gebiet zu benennen. Um die Lebensräume von Pionierarten zu erhalten, reicht es jedoch nicht aus, Teile des Kahlenbergs als FFH-Gebiet oder als Naturschutzgebiet auszuweisen. Dazu sind entsprechende Pflegemaßnahmen notwendig. Die hier vorgeschlagenen Maßnahmen sollten daher im Rekultivierungs- beziehungsweise Renaturierungsplan des Deponiegeländes Kahlenberg ausreichend berücksichtigt werden. Es folgen Vorschläge für konkrete Maßnahmen aus der Sicht des Amphibien- und Reptilienschutzes, die sich hauptsächlich an den Lebensraumansprüchen der Pionierarten orientieren.

Terrassen der Ablagerungsgebiete (rekultivierte Deponieabschnitte)


Wenn Wasser stauende Erdschichten wie Ton und Schluff in die Bodenoberfläche eingearbeitet und Mulden zusätzlich verdichtet werden, kann sich dort das Regenwasser in Pfützen und Tümpeln sammeln. Solche Gewässer spielen eine entscheidende Rolle für Pionierarten wie die Kreuzkröte, die Wechselkröte und die Gelbbauchunke, deren Fortpflanzungsverhalten an nur kurze Zeit bestehende Gewässer besonders angepasst ist. Außerdem entstehen durch Wasser stauende Schichten kleinflächige feuchte Bereiche mit Binsenbeständen. Solche feuchten Mulden sollten nicht mit organischem Material abgedeckt werden. So wird eine vorzeitige Verlandung durch die Pflanzendecke verzögert und die Stickstoff liebenden Pflanzenarten bleiben zunächst aus.

Leider ist ein Großteil der heutigen Terrassen mit krautigen Pflanzenbeständen bewachsen. Einen besonders günstigen Lebensraum für die Pionierarten bietet die oberste Terrasse mit einer Vielzahl unterschiedlicher Kleingewässer, dem lehmigen und kiesigen Boden mit seinem schütterem Bewuchs und der Wärme spendenden Lösssteilwand. Stein- und Totholzhaufen als Versteckplätze sind eine weitere Bereicherung. In den eigentlichen Deponiekörper darf kein Wasser einsickern, weshalb beispielsweise im rekultivierten "Ablagerungsbereich Süd" die Kleingewässer mit Folie gebaut wurden und nicht durch eine Verdichtung der Oberfläche entstehen konnten.

Zentrale, extensive Abbaufläche mit offenen Doggerschichten


In dem östlich der Betriebsgebäude und südlich des derzeitigen Müllablagerungsbereichs gelegenen, kaum bewachsenen offenen Teil des Kahlenberggeländes ("Rekultivierungsgebiet Süd") werden tonige Erdschichten abgebaut, die als Abdicht- und Abdeckmaterial dienen. Im Bereich der Doggerdelta-Schichten werden die wechselfeuchten Hänge auch bei längerer Trockenheit von Rinnsalen durchrieselt. Anstatt das Wasser in Gräben lediglich abzuleiten, könnten im Verlauf dieser Gewässer unterhalb des Hangfußes Wasserflächen ausgebaggert werden. Ein Teil dieser Kleingewässer sollte ganzjährig Wasser führen, andere aber nur zeitweise wasserbedeckt sein und gelegentlich austrocknen. Solche Tümpel und Pfützen sind ideale Laichplätze für Gelbbauchunken und Kreuzkröten und wurden teilweise bereits geschaffen.

Offene Einbaufläche für Abfall


Die eigentliche Mülldeponie ist für Amphibien uninteressant. Das Oberflächenwasser, das sich am Fuß der Abdeckplanen sammelt, wird wohl aufgrund der Verschmutzung nicht als Laichplatz genutzt. Ob sich die Krähen- und Möwenschwärme der Mülldeponie negativ auf die Amphibienbestände der Umgebung auswirken, ist unklar. Sicherlich sind die unzähligen, frisch aus den Kaulquappen entstandenen Jungkröten im Sommer eine leichte Beute für viele Vögel.

Rückhalteteiche


In den drei großen, mit Blocksteinen eingefassten Rückhalteteichen beim Verwaltungsgebäude ist nur an wenigen Stellen eine Verlandungszone entstanden. Besonders für die drei Molcharten sind diese Becken von großer Bedeutung. Hier sollten auf keinen Fall Fische eingesetzt werden, da diese Fressfeinde für die Molchbestände katastrophale Folgen hätten. In einem Becken ist dies leider bereits erfolgt.

Um sicherzustellen, dass die Becken ausreichend besonnt werden und weniger Laub in das Wasser fällt, sollten die überwiegend aus Weiden bestehenden Gehölze am Rand der Becken ausgelichtet werden. Wie sich das aus dem Deponieareal gesammelte Oberflächenwasser auf die Amphibien auswirkt, kann nicht beurteilt werden. Es ist wohl auf lange Sicht sinnvoll, den Schlamm in den Becken durch regelmäßiges Ausbaggern zu verringern. Die beiden Wasser führenden Rückhalteteiche im Westen an der Bundesstraße sind interessante Lebensräume. Das lehmig-trübe Wasser, der Flachwasserbereich beim Einlauf und der schüttere Pflanzenbewuchs sagen vor allem der Gelbbauchunke zu. Leider befinden sich in den Becken große Sonnenbarsche, schöne, aus Amerika eingeführte Raubfische. Sie sind Fressfeinde der Kaulquappen und können Amphibienbestände vollkommen auslöschen.

Ehemaliger Erzverladeplatz (Barbaragelände)


Das Gelände nahe der früheren Erzverladestation an der Bahnlinie westlich der Deponie war bis vor wenigen Jahren ein wertvoller Lebensraum für Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Kammmolch. Das Gebiet ist heute weitgehend mit Erdaushub verfüllt. Der offene, bewuchsarme Charakter dieses Geländes in unmittelbarer Nachbarschaft zu ausgedehntem Brachland als Landlebensraum ist noch immer vorhanden, lediglich Kleingewässer fehlen. Die wenigen Restpfützen und Wagenspuren halten das Wasser nicht lange genug, sodass die Amphibienlarven vertrocknen.

Ein auf dem Deponiegelände angelegter flacher Tümpel ist der Baumaßnahme für den Gleisanschluss im Jahre 2005 zum Opfer gefallen. Neue Laichplätze sollten daher dringend angelegt werden: wenige Quadratmeter messende Kleingewässer mit verdichtetem tonigem Untergrund, auf dem sich ausreichend Oberflächenwasser sammelt, könnten einen Ersatzlebensraum bilden. Große Steine oder Stämme bieten Schutz vor unachtsamem Maschineneinsatz. Solche Anlagen bestehen in mehreren kommunal betriebenen Erdaushubdeponien im Breisgau und sind dort die einzigen Laichplätze von Kreuzkröte und Unke in der weiteren Umgebung.

Wiederansiedlung der Wechselkröte am Kahlenberg?


Die letzten Bestände der Wechselkröte in Südbaden sind vom Aussterben bedroht. Trotz großer Bemühungen wird sich die Art an ihrem letzten Standort in der March wohl nicht halten können, weil ihr Lebensraum dort weiterhin verbaut wird. Die extrem hohe Fortpflanzungsrate der Wechselkröte von bis zu 12.000 Eiern je Laichschnur ermöglicht es derzeit noch, Larven aus den verbliebenen Laichplätzen abzuschöpfen und sie anschließend im Aquarium aufzuziehen. Mit behördlicher Genehmigung und unter fachlicher Betreuung sollten Wechselkröten am Kahlenberg wiederangesiedelt werden. Dort findet diese Amphibienart auf großer Fläche geeignete Lebensbedingungen vor.

Mauern aus Kalksteinblöcken


Für die Reptilien ist es wichtig, dass bestimmte Strukturen auf engem Raum und großflächig vorhanden sind. Die offenen, aber strukturarmen Bereiche sind für diese Tiere ebenso ungeeignet wie die dicht bewaldeten Teilbereiche. Der derzeitige Entwicklungszustand der Pflanzendecke bietet allen zu erwartenden Reptilien am Kahlenberg passende Lebensräume. Im Deponiegelände fallen die teilweise riesigen Verbauungen mit Kalksteinblöcken auf.

Sie bieten den Reptilien felsähnliche Strukturen. Zwar sind die Blöcke in Beton gesetzt, beginnende Rissbildungen weisen aber auf künftige Spalten und Zwickel als Versteckplätze hin. Am Rand dieser Wärme speichernden Steinflächen halten sich häufig Zauneidechsen auf. Vor wenigen Jahren ist die Mauereidechse vermutlich vom Bahngelände bei Ringsheim aus eingewandert. Auf eine künstliche Begrünung der Mauern mit Efeu sollte verzichtet und eine natürliche Entwicklung der Felsspalten-Besiedler abgewartet werden.

Eiablageplätze für Reptilien


Um die Zauneidechsenbestände zu fördern, könnte an mehreren sonnenbeschienenen Stellen ein lockeres Sand-Erde-Gemisch als Eiablageplatz aufgeschüttet werden. An mehreren geeigneten Stellen im Gelände wie an sonnigen Gehölzrändern könnten große Haufen aus deponieeigenem Kompost, Häckselgut und Eselsmist angelegt werden. In der Literatur werden solche Haufen immer wieder als ideale Eiablageplätze für Ringelnattern beschrieben. Es sollte fachlich begleitet werden, ob und wie diese künstlichen Brutplätze genutzt werden und in welcher Weise sich die Ringelnatterbestände entwickeln.

Die aufgelisteten Punkte mit sowohl allgemeinen als auch speziellen Schutzmöglichkeiten im Deponieareal sollen zeigen, was mit vergleichbar geringem finanziellem Aufwand für Amphibien und Reptilien getan werden könnte. Oft sind es Kleinigkeiten, manchmal ist es nur erforderlich, von bisher angewandten Verfahren bei der Rekultivierung abzuweichen oder auch nur etwas zu unterlassen, um viel für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt zu erreichen. Sehr viel davon wurde in den vergangenen Jahren bereits umgesetzt - ansonsten hätten wir diesen artenreichen Bestand am Kahlenberg schon heute nicht mehr. Wir hoffen, dass der wertvolle Lebensraum am Kahlenberg noch lange erhalten bleibt und das beeindruckende Froschkonzert der Sommernächte noch viele Jahre lang zu hören ist.