Der Bienenfresser und andere bemerkenswerte Vogelarten am Kahlenberg


Beschreibung des Bienenfressers (Merops apiaster)

Der Bienenfresser ist einer der farbenprächtigsten Vögel Europas und somit unverkennbar. Die Altvögel haben einen kastanienbraunen Oberkopf und Nacken, eine gelbe Kehle und eine ziemlich breite, dunkle Gesichtsmaske mit einem hellen Überaugenstreif. Der Rücken und der Bürzel sind hellgelb. Der Bauch und die Unterseite sind hellblau und blaugrün, ebenso die Schwanzfedern. Den Jungvögeln fehlt der kurze Schwanzspieß. Junge Bienenfresser sind auf dem Rücken matter und insgesamt viel grünlicher gefärbt als die Altvögel. Der Ruf des Bienenfressers ist ein sehr charakteristisches "prüpp" oder "krück", der oft wiederholt wird.

Der Ruf ist einige hundert Meter weit zu hören. Der Bienenfresser jagt in einem sehr grazilen und elastischen Segelflug, der dann von schnellen Flügelschlägen abgelöst wird. Seine Beutetiere sind größere, fliegende Insekten wie Wespen, Bienen, Hummeln, Libellen oder Schwebfliegen. Während Schlechtwetterperioden, in denen keine Insekten fliegen, liest er im Flug auch Insekten von Pflanzen ab oder jagt sogar am Boden. Der Bienenfresser ist ein Langstreckenzieher. Sein Winterquartier liegt in Afrika südlich der Sahara. In Baden- Württemberg ist er von Mai bis September anwesend. Manchmal kommen einige Tiere schon in den letzten Apriltagen zu uns oder bleiben bis zum Oktober.

Brutverbreitung in Europa
Der Wärme liebende Bienenfresser brütet von Südwesteuropa und Nordwestafrika ostwärts über Vorderasien bis Indien. Die Mehrheit der Population Mitteleuropas zieht in Ungarn ihre Jungen auf. Etwa 44 Prozent aller europäischen Brutpaare verbringen den Sommer in Portugal und Spanien. Das nördlichste regelmäßige Brutvorkommen liegt derzeit im nördlichen Dänemark.

Brutverbreitung in Deutschland und in Baden-Württemberg
Die älteste dokumentierte Beobachtung dieser Vogelart in Deutschland stammt aus dem Jahr 1638. Damals wurde ein Bienenfresser in Sachsen-Anhalt gesehen. Für Baden-Württemberg wurde eine Brut erstmals 1834 von der Donau bei Munderkingen in der Nähe von Ulm belegt. Ab 1873 kamen Bienenfresser regelmäßig am Kaiserstuhl vor. Aus dieser Zeit ist eine 16jährige dauerhafte Besiedlung bekannt. Erst 1916 wurde dann am Kaiserstuhl wieder eine Kolonie entdeckt. 1964 brütete ein einzelnes Paar bei Oberbergen. In Europa erfolgten im 20. Jahrhundert mehrmals Vorstöße des Bienenfressers nach Norden und damit auch nach Deutschland. Es gab in verschiedenen Bundesländern kurzzeitige Ansiedlungen mit jeweils einem oder wenigen Paaren.

Ab 1990 begann gleichzeitig in zwei Gebieten Deutschlands, nämlich am Kaiserstuhl und in Sachsen-Anhalt, die dauerhafte Besiedlung mit jährlich steigenden Beständen. 1990 brüteten mindestens sieben und 1996 bereits 52 Paare am Kaiserstuhl. Zwischen den Jahren 1997 und 2003 schwankte hier die Zahl der Brutpaare zwischen 40 und 65. Im Jahre 2004 stieg der Bestand auf knapp über hundert und 2005 auf fast 150 Brutpaare. Das zweite Hauptbrutgebiet des Bienenfressers befindet sich im mittleren und südlichen Teil des Landes Sachsen-Anhalt und erstreckt sich entlang der Saale und in ehemaligen Tagebaugebieten auf einer Länge von etwa hundert Kilometern. Hier brüteten 2004 insgesamt 176 Paare.

Bestandsentwicklung am Kahlenberg und Umgebung
Nachdem die Bestandsentwicklung des Bienenfressers am Kaiserstuhl von 1990 bis 1997 sehr positiv verlief, bildeten zwei Brutpaare 1998 einen "Ableger" am Ostrand des Kahlenbergs sowie auf der Gemarkung von Ettenheimweiler. Ein Jahr später siedelten hier fünf und im Jahre 2000 bereits zwölf Paare.

Nach einem leichten Rückgang 2001 auf mindestens acht Paare stiegen die Zahlen in den beiden Folgejahren wieder auf 13 beziehungsweise 23 Paare an. Daneben gab es jeweils eine Brut in der näheren Umgebung. Eine sprunghafte Zunahme auf 42 Brutpaare erfolgte 2004, wobei weitere sechs Paare südöstlich des Kahlenbergs brüteten. Den bisherigen Höhepunkt in der Entwicklung gab es im Jahre 2005, als eine weitere, sehr starke Zunahme zu beobachten war. Die Anzahl der Brutpaare nahm gegenüber 2004 um 81 Prozent auf 76 zu! Außerdem siedelten sich weitere 14 Paare in der Vorbergzone zwischen Herbolzheim und Ettenheim an.

Zu dieser äußerst erfreulichen Entwicklung haben mehrere Ursachen beigetragen:
• Die oberste Terrasse des rekultivierten südlichen Bereiches des Kahlenbergs weist eine etwa 200 Meter lange Steilwand mit unterschiedlichen Höhen zwischen einem und fünf Metern auf. Teile dieser Böschung sind abgeschrägt. Die Steilwand besteht aus Löss, sie wurde im Zuge von Rekultivierungsmaßnahmen teilweise künstlich geschaffen. Diese nach Südwesten ausgerichtete Steilwand stellt für den Bienenfresser einen optimalen Brutplatz dar, da diese Vogelart in selbst gegrabenen Höhlen mit Tiefen von 90 bis 180 Zentimetern brütet. Der südliche Bereich des Kahlenbergs besteht hauptsächlich aus terrassenartigem Gelände. Im südlichen Bereich der Deponie Kahlenberg liegen acht Hauptterrassen. Es sind kurzrasige Flächen mit Einzelbäumen und -gebüschen an den Böschungen. Sie werden nur einmal im Jahr gemäht. In den unteren Terrassen fallen verschiedene ausgesäte Schmetterlingsblütler wie die Futter-Esparsette (Onobrychis viciifolia), die Luzerne (Medicago sativa) und einige Futterkleearten auf. Zusammen mit den Süßgräsern bilden sie eine üppige Pflanzendecke. Die mittleren Terrassen sind von ausgiebigen Brachfluren mit dominierenden Goldrutenbeständen (Solidago spec.) bewachsen. Auf den beiden oberen Terrassen kommen neben mageren oft auch lückige Flächen vor, auf denen die beiden Arten des Tausendgüldenkrauts (Centaurium pulchellum und C. erythraea) wachsen. Ausgeprägte Bestände des Steinklees (Melilotus alba) bieten auf den Terrassen Lebensraum für eine vielfältige Insektenwelt. Der Pastinak (Pastinaca sativa), der in den 1990er-Jahren noch sehr häufig auf diesen Terrassen blühte, ist inzwischen sehr stark zurückgegangen. Im Juli blühen auf diesen Terrassen zehntausende von Wiesen-Flockenblumen (Centaurea jacea), die verschiedene Wildbienenarten in großen Mengen anlocken. Die Wilde Gelbe Rübe (Daucus carota) ist im Hochsommer hier sehr häufig anzutreffen. Im Zuge der Rekultivierung des südlichen Deponieabschnittes wurden auch mehrere Teiche angelegt, die inzwischen mit Schilfrohr (Phragmites communis), dem Breitblättrigen Rohrkolben (Typha latifolia), verschiedenen Seggenarten und Riedgräsern üppig bewachsen sind. Hier pflanzen sich mehrere Libellenarten fort.

• Die Fülle von Nahrung und Brutplätzen für Insekten im Bereich des Kahlenberges bietet die Basis für ein reiches Futterangebot für die Alt- und Jungvögel des Bienenfressers. Dazu kommen noch gute Nahrungsbedingungen in den strukturreichen Flächen der Gewanne Ostberg und Kaiserberg sowie östlich des Kahlenberges. Für die 76 Brutpaare und deren Nachwuchs war in der Brutsaison 2005 Futter im Überfluss vorhanden.

• Die positive Bestandsentwicklung am Kaiserstuhl ist auf einen alljährlich guten Bruterfolg zurückzuführen. So haben im Zeitraum 1990 bis 1996 etwa 87 Prozent aller Paare erfolgreich gebrütet und somit mindestens ein Junges zum Ausfliegen gebracht. Von zehn Bruten konnte jedes erfolgreiche Paar durchschnittlich vier flügge Junge aufziehen. Der gute Bruterfolg führte zu einem Bestandsanstieg der Bienenfresser am Kaiserstuhl. Dadurch konnte sich diese Vogelart nach Nordosten in die Vorbergzone zwischen Herbolzheim und Ettenheim ausbreiten. Da in den vergangenen Jahren auch auf dem Kahlenberg der Bruterfolg sehr gut war, nahm der Bestand hier ebenfalls stark zu.

• Durch die Schaffung von neuen Brutwänden wurde die Bestandsentwicklung aktiv gefördert. So hat der Zweckverband Abfallbeseitigung Kahlenberg (ZAK) nach Absprache mit der Emmendinger Gruppe des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) im März 2005 im südlichen Bereich mit großen Baumaschinen zwei neue Steilwände geschaffen, die dann Anfang Mai von den Bienenfressern sofort angenommen wurden. Hier brachten Ende Juli vier Paare ihre Jungen zum Ausfliegen.

• Die Bienenfresserkolonie am Kahlenberg befindet sich in einem eingezäunten Bereich. Dadurch ist sie vor Störungen durch neugierige Besucher relativ sicher. Entlang der Deponiegrenze führt ein Wanderweg, der am Wochenende sehr stark von Reitern und Wanderern genutzt wird. Dies hat bisher auf den Bienenfresserbestand keine negativen Auswirkungen gehabt. Im Sommer 2005 hat der ZAK am Wanderweg zeitweise ein Absperrgitter aufgestellt, durch das die Wanderer an einer ungeschützten Stelle in einigem Abstand an der Kolonie vorbei geleitet wurden. Nach dem Ausfliegen der Jungen schließen sich die Bienenfresser teilweise zu großen Trupps zusammen und streifen nicht nur am Kahlenberg, sondern auch in der ganzen Vorbergzone zwischen Herbolzheim und Ettenheim umher. Gerne suchen die Vögel die Fischteiche von Ettenheimweiler auf, wo sie in den vielen Libellen ein reiches Nahrungsangebot vorfinden. Im August treffen die Bienenfresser des Kahlenberges ihre Artgenossen vom Kaiserstuhl im nahrungsreichen Rheinauenwald und seiner Umgebung. Im Naturschutzgebiet Taubergießen können dann an bestimmten Tagen große Trupps von 200 bis 300 Bienenfressern gleichzeitig beobachtet werden.


Andere bemerkenswerte Vogelarten am Kahlenberg:

Wiedehopf (Upupa epops)

Der Wiedehopf wurde früher auf dem Kahlenberggelände zwar nicht als Brutvogel, aber als regelmäßiger Gast nachgewiesen. Ein Brutnachweis ist bis 2005 noch nicht gelungen. Dazu fehlen sehr wahrscheinlich geeignete Brutplätze. In der Brutzeit 2002 wurde auf der obersten Terrasse und in der näheren Umgebung der Deponie mehrmals ein Wiedehopf beobachtet. In der Brutzeit 2005 wurde in der Vorbergzone nordöstlich von Herbolzheim erneut ein Revier dieser Vogelart gefunden. Im Frühjahr des letzten Jahres hat die NABU- Gruppe Emmendingen damit begonnen, in der Vorbergzone bei Herbolzheim spezielle Nistkästen für den Wiedehopf in Rebhütten anzubringen. Dieses Artenschutzprojekt hatte zuvor bereits der ZAK in den Rebhütten auf dem Gelände des Kahlenberges begonnen. Durch diese wichtige Maßnahme ist es in den letzten Jahren am Kaiserstuhl gelungen, den Bestand des Wiedehopfes deutlich zu steigern. So nahm dort die Zahl von fünf Paaren im Jahr 1993 auf 25 Paare im Jahr 2002 zu, die mehr als 130 Junge zum Ausfliegen brachten.


Heidelerche (Lullula arborea)

Eine der seltensten Brutvogelarten am südlichen Oberrhein ist die Heidelerche. Dieser unauffällig gefärbte Bodenbrüter benötigt als Lebensraum offene, trockene und schütter bewachsene Flächen mit einzelnen Büschen. Auf dem Kahlenberg sind dies die teilweise noch kargen Terrassen des rekultivierten südlichen Deponieabschnittes. Bereits ab Ende Februar oder Anfang März kann man hier den melodischen Gesang hören. Er klingt wie ein flötendes "düdl-düdldüdl- dülülülüh". 1997 hatten sich vier Brutpaare gebildet, von denen mindestens drei erfolgreich brüten konnten. In den vergangenen sieben Jahren lag der Bestand alljährlich bei zwei bis drei Brutpaaren, 2005 brüteten hier zwei Paare. Als Artenschutzmaßnahme hat der ZAK im vergangenen Frühjahr auf verschiedenen Terrassen Sandbeete angelegt.


Uferschwalbe (Riparia riparia)

In der großen Lösswand entlang der obersten Terrasse im rekultivierten südlichen Deponieabschnitt siedelten sich 1999 25 Uferschwalbenpaare an. Ein Jahr später wuchs der Bestand auf 150 beflogene Röhren an. 2001 sank dann die Anzahl der beflogenen Röhren auf 92 und 2002 sogar auf nur noch 19. Im Jahr 2003 konnten dann wieder mindestens 140 beflogene Röhren gezählt werden. Der bisherige Höchststand wurde 2004 mit 290 beflogenen Röhren erreicht. 2005 erlosch diese Kolonie am Kahlenberg.

Die Tiere siedelten sich stattdessen auf dem nahe gelegenen Gelände des Golfclubs Breisgau auf der Gemarkung von Tutschfelden an, wo 226 Paare Brutröhren gruben. Die neu geschaffenen Teiche auf den einzelnen Terrassen haben sich für diese Vogelart zu wichtigen Jagdgebieten entwickelt. Aus der Vergangenheit sind in der Vorbergzone zwischen Herbolzheim und Ettenheim keine Brutnachweise der Uferschwalbe bekannt.


Baumpieper (Anthus trivialis)

Dieser kleine Singvogel brütet bevorzugt in unbewirtschaftetem Gelände mit vereinzelten Bäumen und geeigneten Sitzwarten, auf Waldschneisen und Kahlschlägen. Ab April sind die Balzflüge des Männchens zu sehen. Es steigt mit schnellen Flügelschlägen von einer erhöhten Singwarte schweigend auf. Dann lässt es sich auffällig singend langsam zum Ausgangspunkt oder einer Baumspitze absinken. Im rekultivierten südlichen Deponieabschnitt sitzen die Baumpieper häufig auf den Zäunen und auf einzelnen Bäumen der Böschungen zwischen den Terrassen. 1997 wurden in vier Teilbereichen des Kahlenberges 19 Brutreviere gefunden. 2005 waren es in zwei dieser vier Teilbereiche 14 Reviere. Der Bestand ist somit auf dem Kahlenberg immer noch stabil. Eine ähnlich hohe Brutpaarzahl gibt es im Ortenaukreis derzeit nur noch in den G'schlederwiesen im Naturschutzgebiet Taubergießen. Das nächste Brutgebiet liegt am Kaiserstuhl.


Schwarzkehlchen (Saxicola torquata)

In den Jahren 1996 und 1997 zeigte jeweils ein Männchen auf dem rekultivierten südlichen Deponieabschnitt durch Gesang und Verhalten sein Revier an. Bruten konnten aber nicht nachgewiesen werden. So war es auch in der Brutzeit 2001. Im Sommer 2005 gab es zwei Reviere am Westrand des neuen Golfplatzes bei Herbolzheim und am Königsweg zwischen dem Kahlenberg und Ettenheimweiler. Am Königsweg warnte ein Männchen sehr heftig, so dass hier ein Brutrevier vermutet werden konnte.


Pirol (Oriolus oriolus)

Am und um den Kahlenberg brüten mehrere Paare des Pirols. Jedes Jahr hat dieser Vogel ein Revier im Waldstreifen auf der Kuppe des Kahlenberges am östlichen Erzgrubenrand. Am Ostberg und am Kaiserberg erklingt ab Anfang Mai der flötende Gesang des leuchtend schwarz-gelben Männchens. Der Pirol fliegt auch häufig in den Baumgesellschaften aus angepflanzten Robinien und Pappeln auf der Westseite des Kahlenbergs. In den letzten Jahren waren am Ostberg und im Kahlenbergwald stets im Juli die auffälligen Rufe der ausgeflogenen Jungvögel zu hören.


Saatkrähe (Corvus frugilegus)

In den letzten Jahrzehnten hielten sich im Winterhalbjahr täglich Tausende von Saatkrähen auf den offenen Abfalleinbauflächen auf. Hier fanden sie durch den Deponiebetrieb am Kahlenberg als Hauptnahrung Küchen- und Speiseabfälle. Seit 1996 wurden die Einbauflächen deutlich verkleinert und die Deponie auf großen Flächen mit Kunststofffolien abgedichtet. Damit nahmen nicht nur die Geruchsprobleme, sondern auch die Zahl der anwesenden Saatkrähen deutlich ab. Trotzdem blieb ein ausreichendes Nahrungsgebiet für täglich mehrere Hunderte Krähen erhalten. Seit dem 1. Juni 2005 wurde die Ablagerung von Abfällen auf Deponien in der Bundesrepublik Deutschland weitgehend verboten.

Daher verschwanden auf der Deponie Kahlenberg die Einbauflächen und somit auch das Nahrungsangebot für die Saatkrähen und andere Vogelarten wie Weißstorch, Schwarzmilan, Rotmilan, Lachmöwe, Rabenkrähe und Star. 1997 brütete erstmalig ein Saatkrähenpaar am südlichen Waldrand des Kahlenbergwaldes. In den Jahren danach wurden keine Brutnachweise am Kahlenberg erbracht. Im Jahr 2005 entdeckte dann der Autor eine kleine Kolonie mit drei neuen und besetzten Nestern in einem Weidenaufwuchs nordöstlich der Regenrückhaltebecken im Zentrum des Betriebsgeländes des ZAK.