Naturschutz und Ökokonto


Durch die zur Deponiebetreibung gehörenden Rekultivierungsmaßnahmen und Ausgleichsmaßnahmen zu den baulichen Anlagen entstanden am Kahlenberg im Laufe der Zeit bedeutsame Biotopstrukturen mit erheblichem Entwicklungspotenzial. Daher war es notwendig, aus dem Rekultivierungskonzept der Deponie Kahlenberg von 1998 ein Pflegekonzept zu entwickeln, das auch die Bereiche der Materialgewinnung inkl. Lösssteilwände und das Bruchgebiet im Süden mit einschließt. Unter Berücksichtigung des Arteninventars am Kahlenberg, welches durch eine vergriffene und eine aktuelle Buchveröffentlichung dokumentiert ist, wurde ein Maßnahmenkatalog erstellt, der elf Teilbereiche mit spezifischer Bedeutung für die Tier- und Pflanzenwelt enthält. Insbesondere steht die Entwicklung und Erhaltung von artenreichen Grünlandbereichen einschließlich Mager- und Halbtrockenrasen im Vordergrund, sowie Einzelmaßnahmen zur Biotopoptimierung, damit der Lebensraum für gefährdete Tierarten erhalten bleibt und verbessert wird. Zu nennen sind u.a. Anlegen von Laichgewässern für wasserlebende Insekten und Amphibien, Erstellen von Steinriegeln für Reptilien, Neuanlegen und Freihalten von Lösssteilwänden für Wildbienen, Bienenfresser und Uferschwalbe sowie Einrichten von Sandbadeplätzen und schütteren Vegetationsflächen für die Heidelerche.
Eine Expertengruppe begleitet die Umsetzung der Naturschutzmaßnahmen, bei denen auch ein Beweidungskonzept mit Haustieren des Zweckverbandes zum Tragen kommt.

Die vielfältigen Aufgaben können nicht nur durch das Personal des Zweckverbandes und ehrenamtliche Helfer bewältigt, sondern müssen auch fremdvergeben werden. Entsprechend fallen für die Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen am Kahlenberg Mehrkosten an, die durch die Einrichtung eines sogenannten Ökokontos zum Teil aufgefangen werden können.

Bei Eingriffen in die Landschaft wie beispielsweise Bebauungen, Kiesförderung oder Straßenbau, müssen diese nach dem Gesetz ausgeglichen werden. Es wurde seit 1998 die Möglichkeit geschaffen, den Eingriff und den Ausgleich zeitlich und räumlich zu entkoppeln, damit Planer und Vorhabensträger flexibler arbeiten können. Nach der Definition der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW) wird als Ökokonto die gezielte Bevorratung von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen bezeichnet, die bei späteren Eingriffen in Natur und Landschaft als Kompensationsmaßnahmen angerechnet werden können. Mit Hilfe des Ökokontos können vorgezogen durchgeführte Maßnahmen dokumentiert und verwaltet werden, bis sie einem Eingriff zugeordnet werden können. Wichtig dabei ist, dass bei den Maßnahmen eine ökologische Verbesserung für Schutzgüter sowie Arten- und Lebensgemeinschaften erreicht wird. Nach einem Bewertungssystem werden die ökologischen Maßnahmen erfasst und entsprechend mit einem Punktesystem dem Ökokonto gutgeschrieben. Dieses Ökokonto-Guthaben kann dann bei einem Bauvorhaben (Eingriff in die Landschaft) durch einen Vorhabensträger (Gemeinde, Betrieb) erworben werden. Daher ist es möglich, die angesammelten Ökokonto-Punkte der bereits bestehenden Pflegeflächen am Kahlenberg als Ausgleich für Eingriffe heranzuziehen.


Pflegefläche Nr. 3: Ein gezieltes Mähregime mit Offenhaltung von Gehölzaufwuchs sichert u.a. das Vorkommen der zahlreichen Orchideen und des Großen Windröschen sowie den Lebensraum einer interessanten Insektenwelt an diesem Standort.